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"Polizeiruf 110" aus Brandenburg:Kampf ums Kind, Kampf ums Lebensglück

Polizeiruf 110: Das Beste für mein Kind; Polizeiruf 110 Brandenburg rbb Das Beste für mein Kind

Alles fürs Kind muss nicht das Beste sein: Sabine und Robert Hallmann mit Sohn Leon.

(Foto: rbb/Andrea Hansen)

Im "Polizeiruf" aus Brandenburg wird ein Baby aus verwirrenden Familienverhältnissen entführt. Trotz überzeugender Mutterfiguren zieht sich der Fall unnötig in die Länge.

Von Carolin Gasteiger

Die Erkenntnis:

Paare können, wenn es darum geht, ein Kind zu kriegen, zu vielem fähig sein. Im Polizeiruf "Das Beste für mein Kind" etwa hat Robert Hallmann einen Vaterschaftstest gefälscht, um den kleinen Leon behalten zu können - und seiner Frau Sabine den sehnlichen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Auf der anderen Seite bereut Leons leibliche Mutter den Verlust ihres Sohnes. Bald kämpfen alle nicht nur um das Kind, sondern auch um ihr persönliches Glück.

Darum geht es:

In einem Krankenhaus in Frankfurt an der Oder wird der sechs Monate alte Leon Hallmann entführt und kurze Zeit später in einem polnischen Krankenhaus wieder ausgesetzt. Wenig später wird der Entführer tot aufgefunden. Um den Täter zu finden, müssen die Kommissare Olga Lenski und Adam Raczek erst einmal die komplizierten Familienverhältnisse klären. Denn Leons leibliche Mutter ist nicht Sabine Hallmann, sondern Anna Kowalska, die eine kurze Affäre mit Robert Hallmann hatte. Aber der ist gar nicht Leons leiblicher Vater (deswegen der gefälschte Vaterschaftstest). Aber, und das ist das Verwirrende: Anna Kowalskas Mann ist es auch nicht.

Beste Szene:

Anna Kowalska versteckt sich mit ihren beiden Kindern vor der Polizei. Die Kommissare zwingen ihren Ehemann Bartosz Kowalski, die beiden zu Kowalska zu führen. Als die drei einen Waldweg entlanggehen, bittet Kowalski die beiden, ihn anstatt seiner Ehefrau zu verhaften. Kowalskis Bitte entzweit die Kommissare: Während Lenski sich wenig davon beeindrucken lässt, zögert Raczek. Immer wieder weicht er dem Blick Kowalskis aus, schaut stattdessen betreten zu Boden und bleibt schließlich stehen, als Kowalski wegläuft. "Ist doch scheiße. Wir machen die nächste Familie kaputt. Er hat doch recht", ruft Raczek seiner Kollegin Lenski hinterher. Eine einprägsame Szene, die zeigt, wie hin- und hergerissen Polizisten manchmal sein können.

Top:

Die Mutterfiguren in "Das Beste für mein Kind" sind rührend, anstrengend und sehr überzeugend. Agnieszka Grochowska als Anna Kowalska nimmt man ab, wie sehr sie mit der Entscheidung, ihren Sohn weggegeben zu haben, hadert. Etwa, als sie unangekündigt zum Haus der Hallmanns fährt und durch den Garten auf die Terrasse zuschleicht, nur, um einen Blick auf den Jungen werfen zu können. Auf der anderen Seite verkörpert Katharina Heyer glaubhaft, wie sehr sich eine Frau in den eigenen Kinderwunsch hineinsteigern kann, wie sich Liebe für das Kind in Paranoia verwandelt und wie blank die Nerven schließlich liegen, wenn dem Kind etwas passiert.

Flop:

Trotz dieser tollen Frauenfiguren, dem brisanten Thema und der sympathischen Kommissare zieht sich der Brandenburger Polizeiruf unnötig. Auf die langen Autofahrten durch ostdeutsche Landschaften und die vielen Szenen, in denen zwar geschwiegen, aber trotzdem wenig gesagt wird, hätten die Macher verzichten können. In diesem Polizeiruf wird die emotionale Zerrissenheit der Beteiligten nicht überzeugend genug inszeniert. An manchen Stellen wünscht man sich schlicht mehr Action.

Die Pointe:

Verhaftet wird schlussendlich natürlich die Täterin Anna Kowalska. Aber Raczek hadert immer noch mit sich und kann den Ausgang des Falles nicht so einfach hinnehmen wie seine Kollegin.

Lenski: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Raczek: Aber Menschen machen Fehler.

Lenski: Ja, man hat immer eine Wahl. Immer. Hat man die.

© SZ.de/luch

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