Politik und Medien – Schwarzer Bildschirm beim "Scheibenwischer"

Schon 1980, als Dieter Hildebrandt mit der Satiresendung "Scheibenwischer" beim Sender Freies Berlin begann, war klar: hier wird es Ärger geben. Der damalige bayerische Ministerpräsident und CSU-Kanzlerkandidat Franz Josef Strauß nannte den Kabarettisten einen "politischen Giftmischer", der wiederum revanchierte sich mit bitterbösen Kommentaren und Analysen zur jeweiligen politischen Aktualität - 23 Jahre lang. 

Immer wieder kam es in der bayerischen Staatsregierung zu großer Aufregung über die despektierlichen Inhalte. Als Höhepunkt der "Scheibenwischer"-Querelen erwies sich der 22. Mai 1986. Hildebrandts Team befasste sich mit der wenige Wochen zurückliegenden Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Mit dabei unter anderem Lisa Fitz, die am Beispiel eines verstrahlten Opas die deutschen Behördenempfehlungen der Lächerlichkeit preisgab ("Müssen wir unseren Großvater jetzt endlagern?"). 

Derlei war zu viel - zumindest für den Bayerischen Rundfunk, der unter der Leitung des damaligen Fernsehdirektors Helmut Oeller und unterstützt von Intendant Reinhold Vöth die Sendung im Freistaat kurzerhand nicht übertrug. Oeller hatte zuvor in einer Sonderschaltkonferenz der ARD-Direktoren erfolglos versucht, die Sendung in ganz Deutschland zu verhindern.

Die Episode gilt bis heute als Paradebeispiel für den damaligen starken Einfluss der regierenden CSU auf den BR. 

Im Bild: Die Kabarettisten Bruno Jonas und Dieter Hildebrandt (rechts) im März 2000 im SFB-Sendezentrum in Berlin am Set der Satiresendung "Scheibenwischer"

Bild: DPA 25. Oktober 2012, 16:252012-10-25 16:25:05 © Süddeutsche.de/ihe/vks/woja