Politik und Medien – Nikolaus Brender und das ZDF

Anlässlich der Strepp-Episode verweist das ZDF auf seine Unabhängigkeit.  Doch erst 2010 zeichnete der scheidende Chefredakteur Nikolaus Brender im Spiegel ein anderes Bild. Die politische Einflussnahme beim ZDF sei enorm, es gebe ein "feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten". Brender sprach in dem Interview auch von einem "Spitzelsystem", in dem "Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen". Speziell in der Union gäbe es ein "dunkles Schattenreich", das sich im ZDF-Verwaltungsrat breit gemacht habe.

Die schonungslose Kritik von Brender führte zu Widerspruch bei Politikern wie auch beim ZDF selbst, jedoch gab es auch Unterstützung, etwa von Seiten der Grünen.

Wenige Monate zuvor hatte der ZDF-Verwaltungsrat (mit Unions-Mehrheit) einer Verlängerung von Brenders Vertrag nicht zugestimmt. Besonders der hessische Ministerpräsident Koch als stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender hatte Brender seit langem in Frage gestellt. Roland Koch zog sich letztlich selbst aus dem ZDF-Verwaltungsrat zurück.

Im Bild: Der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) und der damalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender

Bild: dpa 25. Oktober 2012, 16:252012-10-25 16:25:05 © Süddeutsche.de/ihe/vks/woja