Polit-Thriller aus Frankreich auf Arte Diskret blutig

Um die Gerüchte um den Selbstmord seines beliebtesten Ministers einzudämmen, holt Präsident Rohmerieu (Richard Berry) die renommierte Presseberaterin Claire Ferran (Rachida Brakni) in den Stab.

Erfolgsserien wie "Borgen" oder "House of Cards" zeigen, wie es um die Liaison zwischen Medien und Politik bestellt ist. Ein Politthriller aus dem Machtzentrum Frankreichs interpretiert dieses Konzept nun auf sehr französische Weise.

Von Claudia Tieschky

Sigmar Gabriel und Marietta Slomka wissen es vielleicht nicht, aber die Kombination von Politik und Medien ist im Moment eine Traumformel des Fernsehens. Natürlich reden wir nicht von realer Politik und der rasenden Spannung, bis die SPD ihre Post geöffnet hat. Nein, es geht um Politik, die größer ist als die Wirklichkeit, schöner, strahlender, gemeiner und vor allem nicht deutsch.

In der Erfolgs-Serie Borgen sind es die Frauen von Dänemark, die - betreut vom öffentlichen Rundfunk - eine neue, wirklich porentief saubere Mitte-Partei gründen. Und in House of Cards geht eine kundige kleine Bloggerin in jeder Hinsicht eine Allianz mit dem Abgeordneten Underwood ein. In Frankreich liegt die Engführung von Macht und Medien sowieso nahe, schließlich ist der derzeitige Präsident Lebensgefährte einer Journalistin.

Doch um den gemütlichen François Hollande geht es nicht in dem Polit-Thriller Der Staat schweigt. Präsident Jacques Rohmerieu beherrscht die Umgangsformen von Eleganz und Korruption gleichermaßen, sein blutbespritzer Kragen zu Beginn des Films deutet nicht auf Unschuld. Eine Schurkenfigur ganz im Stil der neuen Polit-Stories, die EU-Variante spielt in den teuren Interieurs Pariser Altbauten.

Der Selbstmord des ehrgeizigen Gesundheitsministers in den Gemächern des Präsidenten hat, das ahnt man schnell, mit Macht zu tun, mit einem Pharmakonzern und afrikanischen Flüchtlingen. Aber der Minister hinterlässt auch eine schöne, traurige Ehefrau, die dem Präsidenten nicht fremd ist. Und es zeigt sich: Der Zögling war politisch zum Rivalen des Alten geworden.

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Und wo, fragt der Zuschauer, wo bleibt die aufrechte Presse? Die aufrechte Presse ist ins Internet abzogen, sieht aber trotzdem so aus, wie Journalisten in Filmen schon immer aussehen: Nicolas Malisewski hat einen Drei- bis Fünftagebart, trägt verknautschte Sachen und im Gesicht den Hundeblick, wenn er die Frau trifft, die er natürlich verloren hat an einen Schnösel mit geregelten Arbeitszeiten und Einbauküche. Claire, so heißt sie, soll nach dem Mord als PR-Frau des Präsidenten wirken. Sauber bleibt sie dabei nicht, obwohl der Belmondo-Faktor in diesem Film wirklich sehr gering ist.

Der Staat schweigt, Arte, 20.15 Uhr.