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Medien in Polen:Tomasz Lis ist nicht unumstritten

Wie die neue Zeit aussehen wird, zeigt schon Wiadomosci, die Hauptnachrichtensendung von TVP. Als die EU-Kommission am 14. Januar gegen Polen ein Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen Rechtsstaatlichkeit eröffnet, ist dieses Thema naturgemäß der Aufmacher der privaten Fernsehsender Polens. Wiadomosci indes meldet an erster Stelle einen angeblichen Abhörskandal der Vorgängerregierung. Einen Tag darauf bestimmt die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Polens durch die Ratingagentur Standard&Poors die privaten Abendnachrichten. Bei Wiadomosci ist dies nur eine kurze Meldung. Außerdem werden die Nachrichten nun von Lieblingsjournalisten des Pis-Parteichef Jarosław Kaczyński moderiert.

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Früher ließ sich Kaczyński wie andere Pis-Politiker auch von Tomasz Lis interviewen. Der Starjournalist ist nicht unumstritten: Einmal lud er einen Medienanwalt in die Show ein, der auch ihn vertritt. Im Mai 2015 zitierte er ohne Prüfung ein gefälschtes Twitter-Zitat, das die Tochter des heutigen Präsidenten als borniert erscheinen ließ. Doch der Bruch mit der Pis kam früher, sagt Lis: Im Juli 2012 schrieb die seit jenem Jahr von Lis geführte Newsweek über Kaczyńskis Vater: Rajmund Kaczyński sah seine Söhne Jarosław und Lech bei allem Stolz auch kritisch. "Gott, beschütze Polen vor meinen hitzköpfigen Söhnen!", soll Kaczyński senior, ehemals Untergrundkämpfer gegen die Deutschen, gesagt haben. "Dass wir darüber berichtet haben, hat mir Jarosław Kaczyński nie verziehen. Seitdem kam kein Pis-Politiker mehr zu mir", sagt Lis. "So endet meine Show zur rechten Zeit: Eine politische Talkshow, in der man weder Präsident noch Regierungschef, noch Minister oder andere Politiker der Regierungspartei begrüßen kann, hat wenig Sinn."

Newsweek Polska wird vom Jointventure des Zürcher Ringier-Verlags und Axel Springer verlegt. Pis-Politiker haben bereits über eine Beschränkung ausländischer Besitzes an polnischen Medien nachgedacht. Lis hofft, dass es beim Nachdenken bleibt, nachdem Polen nun unter Sonderaufsicht der EU steht. "Für Journalisten sind die Zeiten spannend - unsere Auflage steigt jetzt stark." Newsweek Polska warnte im Wahlkampf 2015 vor einer Pis-Regierung- mit etlichen Titeln und Kommentaren von Lis. Kommende Woche erscheint Lis' neues Buch - mit dem unbescheidenen Titel Habe ich es nicht gesagt?"

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Polnische Medien ergreifen oft eindeutig Partei. Polens führende Tageszeitung etwa, die liberale Gazeta Wyborcza , kritisierte Gesetze der neuen Regierung nicht nur, sondern rief zu Protesten des neuen "Komitees zur Verteidigung der Demokratie" auf. Dort traten auch Tomasz Lis und andere Newsweek-Journalisten auf. "In 25 Jahren als Journalist habe ich nie demonstriert", sagt Lis. "Aber jetzt erleben wir keinen normalen Regierungswechsel, sondern eine Regierung, die die liberale Demokratie in Polen zerstören will". In dieser Lage stehe seine Pflicht als Staatsbürger "noch über der als Journalist".