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Podcasts des Monats:Das sind die Podcast-Tipps im September

In Nordengland traut sich ein 13-Jähriger nur mit einem Messer bewaffnet in die Schule. Ronja von Rönne stellt Millionären dreiste Fragen - auf die sie manchmal keine Antworten bekommt. Unsere Podcast-Empfehlungen.

Aus der SZ-Redaktion

Hope High

bbc.co.uk/sounds

Eines Tages nimmt der 13-jährige Daniel ein Messer mit in die Schule. Um sich verteidigen zu können - nicht in seiner Schule, der North Huddersfield Trust, sondern auf dem Weg dorthin. Die BBC-Journalistin Annabel Deas ist davon schockiert, und sie weigert sich, das als Normalität zu akzeptieren. Es geht ihr nicht darum, einen sozialen Brennpunkt in der nordenglischen 150 000-Einwohner-Stadt Huddersfield auszuleuchten, die auf halbem Weg zwischen Manchester und Leeds liegt. Sondern zu verstehen, wo die Kipppunkte sind, an denen sich Schüler bewaffnen, Schutz in Gangs suchen - obwohl sie auf eine Schule gehen, die sehr aufmerksam ist und sehr engagiert, um genau das zu verhindern. Ein Jahr hat Deas in Huddersfield recherchiert für die sieben Folgen ihres Podcasts, und eine ihrer Erkenntnisse ist, dass man Täter und Opfer zugleich sein kann. Und es nicht viel braucht, damit Jugendliche Grenzen überschreiten. Stefan Fischer

Meine erste Million

audible.de/million

Wie tickt ein Millionär? Wie fühlt es sich an, wenn das Konto eine siebenstellige Summe anzeigt? Und wie wird man selbst möglichst schnell möglichst reich? All diese Fragen beantwortet der 24-teilige Interview-Podcast nicht. Auf den ersten Blick ist er damit an seinem eigenen Konzept gescheitert. Tatsächlich hat er sich vielmehr davon emanzipiert. Statt Investmentstrategien abzufragen, bohrt Ronja von Rönne in der Vergangenheit ihrer Gäste und stellt mitunter dreiste Fragen - auf die sie manchmal keine Antworten bekommt. So kommt es fast zum Eklat, als von Rönne die Schriftstellerin Cornelia Funke auf das Millionärin-Sein anspricht, und der Schönheitschirurg Werner Mang findet es nicht lustig, als von Rönne ihm vorschlägt, etwas zu unternehmen gegen sein schütteres Haar. In Meine erste Million treffen - wenn auch kalkuliert - zwei Welten aufeinander. Die Gesprächsatmosphäre ist nicht kuschelig, sondern echt, das macht den Podcast aus. Allerdings sollte man nicht mit der ersten, der Cornelia-Funke-Episode beginnen, denn die ist im Gegensatz zum Rest misslungen. Vivien Timmler

Danke, gut

wdr.de/mediathek

Eine aufrichtige Antwort auf die Frage "Wie geht es dir?" geben Menschen nur selten. Stattdessen sagen sie häufig: "Danke, gut". So heißt auch der neue WDR-Cosmo-Podcast "über Pop und Psyche" mit Miriam Davoudvandi. Der will genau das: ernst gemeinte Antworten - auch wenn sie weh tun. Die Moderatorin leidet an einer Depression. Sie geht mit ihrer Diagnose offen um, psychische Erkrankungen sind für sie kein Tabu - und um diese Entstigmatisierung geht es in ihrem Podcast, der alle zwei Wochen erscheint. In der ersten Folge spricht Davoudvandi mit Hengameh Yaghoobifarah. Denn: Yaghoobifarah schreibt nicht nur eine zuletzt stark kritisierte Kolumne für die taz; Yaghoobifarah ist auch bipolar. Die beiden sprechen über den Umgang mit ihren Störungen, warum es besonders schwer ist, eine solche Diagnose in einer Kleinstadt zu bekommen, und wie Memes dabei helfen können, diese zu verarbeiten. Ein ehrliches, intimes Gespräch. Jacqueline Lang

Slow Burn: David Duke

slate.com/podcasts

Rechtzeitig zur US-Präsidentschaftswahl im November widmet Slow Burn, der Podcast des Onlinemagazins Slate, eine ganze Staffel einem amerikanischen Politiker, von dem man in Deutschland bisher wenig hörte: David Duke, ehemaliger Abgeordneter in Louisiana, bekennender Rassist und ehemaliges Mitglied des Ku-Klux-Klans. Viele Strategien der heutigen Populisten wandte Duke schon in den Siebzigern an. Der Journalist Josh Levin hat in einer außergewöhnlich aufwendigen Recherche Freunde, Feinde und Weggefährten Dukes befragt, sowie zahllose Tonaufnahmen zusammengetragen, darunter ein Interview von 1989, das eine zwölf Jahre alte schwarze Schülerin mit dem damals frisch gewählten Politiker geführt hatte. Durch die Staffel zieht sich ein Thema: Obwohl Duke dem Ku-Klux-Klan abschwor und sich als gemäßigt inszenierte, lassen sich antisemitische und rassistische Äußerungen von ihm in allen Phasen seiner Karriere nachweisen. David Duke steht beispielhaft dafür, wie Rassisten und Antisemiten seit Jahrzehnten ihr Gedankengut in die amerikanische Politik einsickern lassen und mit ihrer Agenda immer wieder Erfolg haben. Nicolas Freund

sz.de/podcast-tipps

© SZ/tyc/ebri
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