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Podcast-Tipps im Juni:Das sind die Podcasts des Monats

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(Foto: Luis Murschetz)

Kantaten, Kicker und Klone: unsere Empfehlungen für Juni.

Von SZ-Autoren

Die Bach-Kantate mit Maul & Schrammek

mdr.de/klassik

Während man auf anderen Sendern die klassische Musik - also rund tausend Jahre Musikgeschichte -als lästige Nischenpflicht mitschleppt, leistet sich der MDR einen Podcast, der ausschließlich den Kirchenkantaten von Johann Sebastian Bach gewidmet ist. Mit überwältigendem Erfolg. Maximal acht Minuten lang sollte eine Folge sein, inzwischen sind die Sendungen doppelt so lang, und aus der Idee, die wichtigsten 20 Stücke zu präsentieren, hat sich aufgrund des Hörerzuspruchs nun der Wunsch verdichtet, alle 200 Kantaten abzuhandeln. Der Musikprofessor und Intendant des Leipziger Bach-Festes Michael Maul sowie der musikwissenschaftlich vorbelastete Journalist Bernhard Schrammek liefern Anekdoten, wissenschaftliche Details und neue Forschungsergebnisse so anschaulich und unvoreingenommen, dass sich jeder angesprochen fühlt. Man nähert sich dem Menschen Bach, seinen Zeitgenossen, schließlich fröhlich unterhaltsam dem Werk. Mit jeder Information wird man neugieriger, und am Ende steht die Musik selbst. Herrlich. Helmut Mauró

Draußen vor den Türen

ndr.de/kultur/radiokunst

Ein Text wie eine pochende Wunde, ausgespuckt in nur acht Tagen von einem sterbenskranken Mann, der, so scheint es, um sein Leben schrieb. Entsprechend schlug Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert ein, 1947 bei der Uraufführung in Hamburg. "Sagt einfach Beckmann zu mir, so wie man zu Tisch Tisch sagt. Immer steh ich draußen", so schreibt Borchert, der Kriegsheimkehrer, der überall anklopft und nirgends einen Ort findet für seine Trauer und sein Trauma. Der NDR hat anlässlich von Borcherts 100. Geburtstag Draußen vor den Türen produziert, fünf Teile. Ausgehend von Borcherts Text und dem darin klaffenden Gefühl der Verlorenheit sprechen die Podcaster mit Menschen, die heute draußen vor den Türen stehen, buchstäblich oder bildlich. Sie sprechen mit einer Soldatin, einem Obdachlosen, einer Geflüchteten und verknüpfen deren Geschichten immer wieder mit Textstellen von Borchert. Das wirkt kein bisschen konstruiert, im Gegenteil, der grobe Text wird auf diese Weise noch drängender, das moderne "Draußen" rückt näher. Christiane Lutz

From Now

podcasts.apple.com

Damit hatte niemand gerechnet: 35 Jahre nach seinem spurlosen Verschwinden taucht das Raumschiff USS Hope wieder auf. An Bord ein einziger Überlebender, Edward, um keinen Tag gealtert. Wie kann das sein? Edwards Bruder Hunter, inzwischen ein alter Mann, soll dem tot geglaubten Bruder die Geheimnisse seiner Reise entlocken. Kann der sich wirklich an nichts erinnern? Wie einen Science-Fiction-Blockbuster inszenieren die Macher dieses Apple-Hörspiel mit Richard Madden und Brian Cox in den Hauptrollen. Trotz hohem Tempo und viel Dramatik bleibt auch Raum für Tiefe: Das Zwillingsparadox über langsamer alternde Raumfahrer ist ein Gedankenexperiment aus Einsteins Relativitätstheorie, und das Hörspiel beschäftigt sich besonders mit den emotionalen Nebenwirkungen einer solchen Raum-Zeit-Reise. Denn die Welt, in die Edward zurückkehrt, ist auch für den Hörer fremd und zugleich vertraut: Hunter wird von einem nervigen Pflegeroboter begleitet, auf die Erde zurückfallender Weltraumschrott ist ein großes Problem geworden, und was ist eigentlich mit dem Wetter los? Zukunft trifft Gegenwart, zum Mithören. Nicolas Freund

Players

deutschlandradio.de

Über Fußball im engeren Sinn sprechen Matthias Friebe, der EM-Reporter des Deutschlandfunks, und sein Kollege Raphael Späth nicht in ihrem Podcast, der mit zumeist zwei Folgen pro Tag für die Dauer der Fußball-Europameisterschaft das Turnier in den Blick nimmt. Gemeinsam mit weiteren Sportredakteurinnen und -redakteuren des Senders geht es in den fünf- bis zehnminütigen Episoden um Themen, die über das Spielfeld hinausweisen: Um den Antirassismus-Protest der belgischen Nationalmannschaft etwa und die Pfiffe, mit denen das von russischen Stadionbesuchern quittiert wurde. Um das Führungschaos im DFB und darum, dass nun doch keine EM-Partien in Bilbao stattfinden - es wären die ersten Spiele des spanischen Teams im Baskenland seit mehr als 50 Jahren gewesen. Und natürlich diskutieren Friebe und Späth, wie voyeuristisch das Fernsehen war in den Minuten, in denen Mediziner um das Leben des dänischen Spielers Christian Eriksen gekämpft haben. Players rückt Themen ins Bewusstsein, die genauso zur EM gehören wie tschechische Weitschuss-Tore und Wo-soll-Joshua-Kimmich-spielen-Debatten. Stefan Fischer

sz.de/podcast-tipps

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