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Plasberg über Flüchtlinge und Kriminalität:Grüne und CSU belegen sich mit den üblichen Feindbildern

Annalena Baerbock fordert mehr Mittel und Ressourcen und eben mehr Perspektive für Zuwanderer: "Integration fällt nicht vom Himmel." Sie verhakt sich außerdem mit CSU-Mann Blume in Streitigkeiten über sichere Herkunftsstaaten und Ankerzentren. Die beiden belegen sich mit den üblichen gegenseitigen Feindbildern: Die CSU sehe in jedem Migranten einen Feind, wolle alle kasernieren und abschieben. Die Grünen wollten alle reinlassen und hätten kein Problem damit, wenn sich Parallelgesellschaften bildeten.

Hier sieht man exemplarisch, was die Talkrunde tatsächlich abbildet: nicht ein komplexes Thema, das aus verschiedenen Perspektiven betrachtet zu werden lohnt. Sondern bloße Konfliktlinien, wie sie in Deutschland inzwischen auf schmerzhafte Weise den Alltag prägen und Menschen in die Verzweiflung treiben. Zu diesen Menschen gehören übrigens auch Migranten, die darunter leiden, permanent misstrauisch beäugt zu werden.

Von ihnen sitzt keiner in der Sendung, wie Journalistin Isabel Schayani zurecht bemängelt. Besonders augenfällig wird dieser Missstand für Zuschauer, die vor der Hart-aber-fair-Sendung bereits die Dokumentation "Das Mädchen und der Flüchtling" gesehen haben, die ebenfalls Teil der Sendereihe "Was Deutschland bewegt" ist. Hier gehen die Reporter zwei Fällen nach, in denen jugendliche Flüchtlinge auf Mitschülerinnen einstachen.

Plasberg vermutet eine ungesunde Form der "Überanpassung"

Zu Wort kommen Demonstranten, Lehrerinnen, Sozialarbeiter und nicht zuletzt die Mitbewohner eines Täters. Einer erzählt von dem Kulturschock, den er in Deutschland erlebte, als er das erste Mal schwule Männer sah. "Heute ist das für mich normal." Normal, nach so kurzer Zeit? Frank Plasberg, der die Szene in seine Sendung einspielen lässt, vermutet da gleich eine ungesunde Form der "Überanpassung". Dem Flüchtling ist einfach nicht zu trauen, so scheint es.

Einen erhellenden Moment liefert in Plasbergs Sendung der Sozialarbeiter Asmen Ilhan vom Projekt "Heroes", das sich der Gewaltprävention bei jungen Männern mit Migrationshintergrund widmet. Er besucht mit seinen Kollegen Schulklassen und spielt mit den Jugendlichen Alltagssituationen durch.

Ein Beispiel: Du stehst mit deiner Freundin am Straßenrand, ein Mann kommt vorbei und schaut sie lange an, ihr gefällt das nicht. "Es kristallisiert sich manchmal eine Erwartung heraus, dass der Mann handgreiflich wird", sagt Ilhan. Die Sozialarbeiter diskutieren dann mit den Jungen: Was hast du davon? Macht das die Situation nicht noch schlimmer? "Wichtig ist, dass man nicht von oben herab sagt: 'Na-na-na, das darfst du aber nicht!'"

"Heroes" arbeitet nicht nur mit Flüchtlingen, sondern auch mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die schon hier geboren sind. Wichtig ist Ilhan vor allem: Die Jugendlichen seien nicht alle gleich, reagierten unterschiedlich auf die gezeigten Situationen. "Unter Flüchtlingen gibt es viele Jugendliche, die sich freiheitlich äußern", sagt er. Da sei manchmal der Neuköllner mit Migrationshintergrund konservativer.

Für Migrationsforscher Koopmans ist nach diesem Beispiel das Fazit klar: "Das zeigt, dass oft eine Generation nicht reicht", sagt er. Er berichtet auch von Reisen nach Afghanistan, von dem archaischen Frauenbild, das dort herrsche.

Eine solche Herangehensweise stört Journalistin Schayani: "Wir diskutieren immer nur defizitorientiert." Den Fehler habe die deutsche Gesellschaft schon gegenüber vergangenen Zuwanderergenerationen gemacht. "Ich dachte 2015, dass wir es diesmal besser machen." Die Frage müsse lauten: Wie schaffen wir, dass es klappt? Und nicht: Wie kriegen wir die wieder raus? Sie kann sich eine Spitze gegen Plasberg nicht verkneifen: Auch die x-te Talkshow zum Thema kriminelle Flüchtlinge werde nichts daran ändern, dass es hier Migranten gebe. Deal with it, Deutschland.

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