Piraterie Beide Sender setzen auf die Sperrung von Inhalten

Eine Content-ID macht es möglich, Audio- und Video-Inhalte, ja sogar nachgespielte Melodien automatisch dingfest zu machen. "Dieses System kann auch Bilder erkennen, die man zum Beispiel mit dem Handy vom Bildschirm abfilmt", lobt Dorstewitz das Verfahren, welches die Firma nur vertrauenswürdigen Geschäftspartnern ermöglicht, um Missbräuche zu verhindern.

Hat das System einmal ein per Content-ID geschütztes Werk erkannt, überlässt es dem Rechteinhaber die Wahl der Möglichkeiten. Er kann die Urheberrechtsverletzung dulden, er kann sie sperren oder sie, wie es in der Youtube-Sprache heißt, monetarisieren. Letzteres bedeutet, dass Youtube vor oder während des Clips Reklame einblendet. Dann fließt das Geld dem Rechteinhaber, nicht dem Hochlader zu.

Unisono betonen allerdings ARD und ZDF, dass sie solches nicht dürften und daher auch niemals täten. Beide Sender setzen vornehmlich auf die Sperrung von illegalen Inhalten, kommen aber bei der Masse der Uploads kaum nach. "Der Aufwand ist hoch, da täglich neue illegale Uploads dazukommen", sagt Gaddum und erhält bei dieser Klage Rückendeckung von der ARD-Kollegin. "Das ist ein bisschen wie bei Sisyphos. Wir lassen Kanäle schließen, die illegal hochgeladene Videos aus der ARD enthalten oder unsere Marken nutzen. Es werden aber immer wieder neue aufgemacht", sagt Schmidt.

Comedy- und Satireshows werden oft hochgeladen, aber auch der "Tatort"

Bei beiden Sendern gibt es Listen, welche Sendungen besonders per Content-ID geschützt werden. Es sind vor allem fiktionale Sendungen, die auf der Prioritätenliste weit vorne stehen. Beim Tatort etwa ist die ARD recht konsequent und erfolgreich. Es finden sich kaum noch aktuelle Folgen bei Youtube.

Beim ZDF stehen laut Gaddum auch Comedy- und Satiresendungen im aktuellen Fokus, weil sie aufgrund ihres hohen Klickpotenzials besonders beliebt seien bei illegal operierenden Uploadern.

Öffentlich-Rechtliche

Diese Typen zahlen keinen Rundfunkbeitrag

Bei der Heute-Show scheint das Verfahren indes noch nicht so recht zu greifen. Die Folgen der jüngsten Staffel sind fast lückenlos bei Youtube zu finden. Auch die Episode vom vorvergangenen Freitag hat "Sonnenmond8" wieder hochgeladen. Am Sonntagnachmittag lag die letzte Folge vor der Sommerpause schon bei 236 917 Sichtungen, Tendenz steigend. Da hat das ZDF noch reichlich zu tun. Effektiver Schutz von Inhalten sieht nämlich irgendwie anders aus.