Peter Sunde:"Es gibt eine Bereitschaft, im Netz zu zahlen"

Peter Sunde über sein Bezahlsystem Flattr und seine Erfahrungen bei der Tauschbörse The Pirate Bay.

Dirk von Gehlen

Wie bringt man Menschen dazu, für Inhalte im Internet zu bezahlen? Indem man ihnen die Freiwilligkeit lässt, lautet die Antwort von Peter Sunde. Der 31-Jährige Mitgründer von The Pirate Bay hat vor kurzem ein System vorgestellt, dass das Bezahlen im Netz revolutionieren will: Flattr verzichtet auf Bezahlschranken und lässt Nutzer stattdessen Mini-Beträge für Texte, Bilder und Filme zahlen, die ihnen besonders gefallen.

The Pirate Bay, Foto: AFP

The Pirate Bay

- Tauschbörse von Peter Sunde.

(Foto: Foto: AFP)

sueddeutsche.de: Was ist die Idee von Flattr?

Peter Sunde: Es geht darum, es Menschen zu erleichtern, nicht nur Inhalte zu teilen, sondern auch Geld dafür zu zahlen - jeweils mit Bezug auf die Inhalte.

sueddeutsche.de: An wen richtet sich dieses Angebot?

Sunde: An jeden, der Inhalte übers Internet verbreiten möchte. Wir sehen da keine Grenzen, Grenzen interessieren uns eh nicht (lacht) ...

sueddeutsche.de: Und wer ist die Hauptzielgruppe?

Sunde: Ich hoffe, dass Flattr ein gutes Angebot für jedermann ist. Vermutlich wird es aber denjenigen am meisten nutzen, die bisher kaum Möglichkeiten hatten, Geld mit ihren kreativen Werken im Netz zu verdienen: Blogger, Fotografen, Autoren ...

sueddeutsche.de: ... vermutlich keine Verlage.

Sunde: Ich bin da optimistisch. Verlage wird es auch weiterhin geben. Ihre Arbeit wird sich ändern. Es geht darum, bessere Qualität abzuliefern. Und mit Flattr werden wir Inhalte von besserer Qualität im Netz finden, da bin ich mir sicher.

sueddeutsche.de: Wieso?

Sunde: Die Kultur im Netz basiert darauf, dass sie frei ist - frei wie in frei, nicht frei wie in kostenlos. Ich bin davon überzeugt, dass es ein Interesse daran gibt, zu bezahlen. Die Angebote, die dies im Netz ermöglichen, sind aber eher beschränkt. Es hat in den vergangenen zehn Jahren fast keine Entwicklung gegeben in der Art und Weise, wie man im Netz bezahlt - das wollen wir ändern. Und wir wollen zeigen, dass es durchaus die Bereitschaft gibt, im Netz zu bezahlen. Die Leute wollen eben nicht wie Kriminelle behandelt werden, sondern wie normale Bürger.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wer hinter Flattr steckt.

"Ohne Soul sind Projekte lediglich Projekte"

sueddeutsche.de: Was ist das Geschäftsmodell von Flattr?

Sunde: Zehn Prozent des transferierten Geldes bleiben bei uns. Wir werden diesen Anteil aber überprüfen und versuchen, ihn zu reduzieren. Denn Flattr wird nur dann funktionieren, wenn derjenige, der bezahlt werden soll so viel Geld wie möglich bekommt. Das ist für uns ein guter Anreiz, unseren Anteil so gering wie möglich zu halten.

sueddeutsche.de: Wer steckt denn hinter Flattr?

Sunde: Ein paar Freunde, die ihre freie Zeit opfern. Wir arbeiten auf eine Art "Wir-haben-etwas-Zeit-übrig-abseits-unserer-Hauptjobs"-Basis an dem Projekt. Im Moment sind wir aber auf der Suche nach Investoren, um es auf eine etwas seriösere Basis zu stellen.

sueddeutsche.de: Im Moment kann man sich auf flattr.com als Tester bewerben. Wie geht es weiter?

Sunde: Aktuell arbeiten wir vor allem daran, Fehler zu beheben und das System stabiler und sicherer zu machen. Im nächsten Schritt werden wir Flattr für eine sogenannte Beta-Phase öffnen und dann - hoffentlich ganz bald - für jeden öffentlich zugänglich machen.

sueddeutsche.de: Vor Flattr haben Sie die Website The Pirate Bay betrieben. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit sind in das neue Projekt eingeflossen?

Sunde: Bei The Pirate Bay ging es nie um freie Inhalte im Sinne von kostenlos, sondern immer im Sinne von frei. Und das ist bei Flattr ganz ähnlich. Schon bei The Pirate Bay habe ich gesehen, dass es einen Bedarf für eine Bezahlmethode gibt, die sich nach den Interessen der Nutzer richtet und die Grundideen des freien Internets umsetzt.

sueddeutsche.de: Es gibt Leute, die sagen, dass Sie jetzt seriös werden.

Sunde: Ich bin die gleiche Person wie früher. Die Leute wissen vermutlich nicht, dass man seriös sein kann und trotzdem politisch. Ich stecke noch immer Soul in meine Projekte. Ohne Soul sind Projekte lediglich Projekte und werden kein wirklicher Erfolg.

© sueddeutsche.de/berr
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