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Peinliche TV-Formate:Reste-Rampe für Promis

Kochen, boxen, tanzen, Känguruhoden verkosten: Deutschlands B-Promis treiben seit einigen Jahren im Fernsehen mithin recht peinliche Dinge. Eine unvollständige Liste der grausigsten Promi-Reality-TV-Formate.

Von Matthias Kohlmaier

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RTL-Dschungelcamp - Joey Heindle ist Dschungelkönig

Quelle: dpa

Kochen, boxen, tanzen, Känguruhoden verkosten: Deutschlands versammelte B-Promis treiben seit einigen Jahren im Fernsehen mithin recht peinliche Dinge. Manche Halbberühmtheiten beweisen dabei eine erstaunliche Recyclingfähigkeit. Eine unvollständige Liste der grausigsten Promi-Reality-TV-Formate.

Blogger und Medienjournalist Stefan Niggemeier hat einmal über die seltsame Spezies des B-Promi geschrieben: "Wir soll­ten ihn dafür lie­ben, dass wir ihn ver­ach­ten dürfen." Deutschlands TV-Landschaft hat auf diese Aussage schon vor mehreren Jahren adäquat reagiert und nicht nur eine, sondern gleich diverse Verwertungsmöglichkeiten für die liebens-/verachtenswerten Semibekanntheiten des Landes entwickelt. Von Ich bin ein Star, holt mich hier raus! bis Promi-Frauentausch dürfen sie sich nun tummeln, gerne auch mehrfach.

Dass der B-Promi an sich recyclingfähig ist - will heißen, in mehreren Promi-Reality-TV-Formaten zugleich oder hintereinander eingesetzt werden kann - zeigt nicht zuletzt der amtierende Dschungelkönig Joey Heindle. Der wurde nämlich erst in RTL's B-Promi-Produktionsmaschine Deutschland sucht den Superstar aufwendig gecastet, bevor er in RTLs Dschungelcamp einziehen durfte. Verrückt.

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Peinliche TV-Formate:TV Total Turmspringen

Live-Sendung 'TV Total Turmspringen'

Quelle: dpa

Wohl der einzige, der nicht ganz in diese Bildergalerie passt: Stefan Raab. Der verdingt sich allerdings nicht nur in seinen Shows TV Total, Schlag den Raab und Absolute Mehrheit, nein, er ist der vielleicht wichtigste Arbeitsbeschaffer einer ganzen Riege wechselnder B-Promis. Autoball, Wok-WM, Eisfußball, Stock Car Crash Challenge - ein unglaublicher Markt für all diejenigen, die ihr Gesicht ohnehin gern in jede verfügbare Kamera halten und zugleich vor kaum einer Peinlichkeit zurückschrecken.

Das aufregendste Format der Raab-Reihe ist jedoch das TV Total Turmspringen. Daraus lässt sich sogar eine mathematische Formel destillieren: Der Fremdschäm-Faktor bei derlei B-Promi-Festspielen steigt indirekt proportional zur Anzahl der Kleidungsstücke, die die unnötig berühmten Teilnehmer am Leib tragen.

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Peinliche TV-Formate:Promi-Kocharena

Promi-Kocharena auf Vox

Quelle: Vox

Kochshows haben ja seit Jahren Konjuktur im deutschen Fernsehen. Von Lichter bis Lafer, von Mälzer bis Henssler - jeder darf für eine Weile vor TV- und Studio-Publikum kochen, backen, braten und blanchieren (nicht zwingend in dieser Reihenfolge). So weit, so Biolek, wären da nicht die findigen Macher des Privatfernsehens. Die verfahren nämlich auch hier seit geraumer Zeit nach dem gängigen Prinzip: Mit ein paar Halbberühmtheiten lässt sich so gut wie jede Sendung ins Programm hieven. 

Und so entstehen dann Formate wie die Promi-Kocharena auf Vox mit illustren Kandidaten wie: Rebecca Mir (bekannt aus Germany's Next Topmodel und Let's dance), Natascha Ochsenknecht (bekannt durch Uwe, Jimi Blue und Wilson Gonzalez Ochsenknecht), Laith Al-Deen (bekannt durch Musik) und Peer Kusmagk (bekannt aus dem Dschungelcamp und GZSZ).

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Peinliche TV-Formate:Das perfekte Promi-Dinner

Carmen Geiss bei "Das perfekte Promi-Dinner"

Quelle: Vox

Aber Vox wäre nicht Vox, wenn man es bei einer B-Promi-Kochshow belassen würde. Genaugenommen hat Das perfekte Promi-Dinner der zuvor genannten Promi-Kocharena sogar den Weg geebnet, flimmert es doch schon ein Jahr länger über den Bildschirm. Dort dürfen mehrere Menschen, bei denen der Grund ihrer angepriesenen Bekanntheit kaum ersichtlich ist, einander bekochen und das Verzehrte bewerten.

Für alle, die die landes-, ach was, weltweit bekannte Dame im Bild bis dato nicht erkannt haben: Das ist Carmen Geiss. Die chirurgisch optimierte Berufsblondine krakeelt für gewöhnlich auf RTL II in der Doku Die Geissens - Eine schrecklich glamouröse Familie ihrem Ehemann hinterher ("Rooooobert!"). Übrigens kredenzte sie auf Vox drei ähnlich mäßig berühmten Damen Loup de Mer Souvage mit Risotto. Bon appétit!

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Peinliche TV-Formate:Promiboxen

Promi-Boxen III - Ziegler Trump

Quelle: dpa/dpaweb

In die Idee, B-Promis aufeinander einschlagen zu lassen, lässt sich eine Menge hineininterpretieren. Wollte man gehässig sein, ließe sich zum Beispiel sagen: Da trifft es mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Falschen. Aber das will natürlich niemand. Am Ende geht schließlich auch das Promiboxen auf Hobbysportler Stefan Raab zurück, der sich bereits 2001 in TV Total von Profiboxerin Regina Halmich auf die Nase hauen ließ.

Seitdem ist das Promiboxen sowas wie die Kokotte des Privatfernsehens: Neben ProSieben und RTL hat erst vor wenigen Wochen auch Sat 1 eine Folge der meist ungeschickten Klopperei ausgestrahlt. An die fast unverschämt hohen Einschaltquoten von Raabs Duellen mit Halmich (2007 gab es unter dem Titel "Rückkehr der Killerplauze" ein zweites Aufeinandertreffen) kam aber keine der weiteren Ausstrahlungen auch nur ansatzweise heran.

Im Bild: Pornodarstellerin Kelly Trump (links) und Bachelor-"Gewinnerin" Juliane Ziegler vor dem RTL-Promiboxen 2004

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Peinliche TV-Formate:Glööckler, Glanz und Gloria

Harald Glööckler

Quelle: dpa

Als "das personifizierte Neuschwanstein" hat die SZ Harald Glööckler einmal tituliert. Das ist schon insofern nicht weit hergeholt, da sich auch der Modedesigner recht gern besichtigen lässt - nicht live und in persona, aber immerhin im Fernsehen. Auch hier haben die Promi-Reality-Vorreiter von Vox herzhaft zugegriffen und dem Minihundliebhaber gleich mehrere Dokumentationen gewidmet.

In Herr Glööckler zieht um zog Harald Glöckler, nun ja, um und nachdem die Verantwortlichen das so spannend fanden, wurden noch zwei Staffeln der Personality-Doku Glööckler, Glanz und Gloria drangehängt. Eine dritte Staffel wird es nicht geben, da Herr Glööckler laut Aussage seines Managements terminlich einfach zu stark gebunden ist. Dass die Quoten spätestens in der zweiten Staffel unterirdisch waren, soll hier daher nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

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Peinliche TV-Formate:Let's dance

Tanzshow 'Let's Dance'

Quelle: dpa

Bei all dem Kochen, Boxen, Turmspringen und Känguruhoden-Essen scheint Tanzen eine absolut sinnvolle Beschäftigung für Deutschlands Halbprominente zu sein. Immerhin müssen die Kandidaten bei RTLs Let's dance tatsächlich trainieren und das Gelernte - meist auf recht beachtlichem Niveau - der TV-Gemeinde vorführen.

Freilich steht bei der Tanzerei auch nicht Deutschlands A-Prominenz auf dem Parkett und freilich bläht RTL die Sendung zwecks üppiger Produktplatzierungen auf eine Länge von knapp vier Stunden pro Episode auf. Aus B-Promi-Perspektive trotzdem allemal besser, als für bloße Anwesenheit und gelegentlichen Genuss tierischer Weichteile bezahlt zu werden.

Im Bild: Schauspieler Tetje Mierendorf mit Tanzpartnerin Isabel Edvardsson in der aktuellen sechsten Staffel der Show. Nach Runde zwei hatte es sich für das ungleiche Paar übrigens ausgetanzt.

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Peinliche TV-Formate:Promi Shopping-Queen

Promi-Shopping-Queen auf Vox

Quelle: Vox

Wundervolles Beispiel für das mittlerweile bewährte Recyclingsystem in Promi-Reality-TV-Formaten (Aufzählung von links): Ex-No-Angels Sängerin Sandy Mölling war schon bei Let's dance und Das perfekte Promi-Dinner; Moderatorin Marijke Amado war schon bei Let's dance und Das perfekte Promi-Dinner; Moderatorin Gülcan Kamps war schon bei - Trommelwirbel - Let's dance und Das perfekte Promi-Dinner. Und hier treffen sie sich alle bei Vox wieder und wollen Promi Shopping-Queen werden.

Die Dame ganz rechts im Bild heißt übrigens Isabel Varell, ist Sängerin/Schauspielerin/Moderatorin, und war weder bei Let's dance noch bei Das perfekte Promi-Dinner. Da muss den Vox-Redakteuren bei der Besetzung ein Fehler unterlaufen sein. Wobei: Immerhin war Frau Varell 2004 im RTL-Dschungelcamp.

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Peinliche TV-Formate:Promi-Frauentausch

Promi-Frauentausch, RTL II, Micaela Schäfer, Schäfer Heinrich

Quelle: obs

Zehn Jahre lang durften ganz normale Menschen ohne jeden noch so geringen Promi-Status bei RTL II für ein paar Tage die Frauen tauschen. Na gut, "normal" ist vielleicht nicht ganz der korrekte Terminus für die durchschnittlichen Frauentausch-Teilnehmer. Für gewöhnlich wurden dabei eher kettenrauchende Couchkartoffeln mit sportlichen Kirchgängerinnen mit Hygienefimmel vertauscht. Das war moralisch fragwürdig, bescherte RTL II allerdings eine Dekade lang recht ansehnliche Quoten.

Und dann kamen die "Promis", die Gescheiterten, die Verlachten. Nacktmodell Micaela Schäfer und Ex-Bauer-sucht-Frau-Kandidat Schäfer Heinrich machten den Auftakt. In weiteren Folgen zog RTL II längst verschollen geglaubte Halbberühmtheiten wie Willi Herren (ehemals Lindenstraße, war aber davor schon im RTL-Dschungel und beim RTL-Promiboxen) etc. aus der sinnbildlichen Gosse. Da sich den überschaubaren Spaß aber bis dato kaum ein TV-Zuschauer antun will, sollte der prominente Tauschspuk bald ein Ende haben.

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Peinliche TV-Formate:Promi-Big-Brother

60 Jahre Bundesrepublik - 'Big Brother'

Quelle: dpa

War das damals aufregend, oder was? 2000 zogen ein paar mutige Kandidaten in Deutschlands ersten TV-Container ein. Die Feuilletons schimpften wenig später über den "Menschenzoo", aber die Zuschauer konnten von Zlatko, Jürgen und Konsorten kaum genug bekommen. Grund genug für RTL II, Big Brother noch viele Jahre weiter laufen - und später vor sich hindümpeln - zu lassen. 2011 war dann aber endgültig Schluss.

Aber nur weil ein für niveauvolle Unterhaltung bekannter Sender wie RTL II ein ausgelutschtes Format absetzt, heißt das längst nicht, dass die restliche Privat-TV-Gemeinde das genauso sieht. Und so feiert der "Menschenzoo" 2013 ein Comeback auf Sat 1, natürlich in einer Promi-Variante. Sollte irgendein Sat-1-Verantwortlicher das hier lesen, eine kleine Anregung: Wie wär's denn mit Lothar Matthäus und Sandy Meyer-Wölden (noch Pocher) als Bewohner?

Im Bild: Josef Andorfer, Geschäftsführer von RTL2, Rainer Laux, Produzent von Big Brother, und John de Mol, Vorstandsvorsitzender der Endemol Entertainment Holding, stellen im Januar 2000 in Köln den noch im Bau befindlichen BB-Container vor.

© Süddeutsche.de/mkoh/cag
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