Süddeutsche Zeitung

Tipps im Juli:Das sind die Serien des Monats

Der liebenswerte Fußballtrainer Ted Lasso ist zurück, die "Monster AG" bekommt eine eigene Serie und David Schalko hat sich im diskursiven Erzählen verirrt. Die SZ-Serientipps im Juli.

Von SZ-Autoren

Paris Police 1900

Was passiert: Paris, 1899 - In Frankreich drohen antisemitische und anarchische Kräfte die dritte Republik zu zerreißen. Der junge Kommissar Jouin muss einen Kriminalfall um zerstückelte Frauenleichen lösen. Mit korrupten Kollegen, Verrat und Grausamkeit zeichnet Paris Police 1900 ein düsteres Bild der Belle Époque.

Heimlicher Star: Die junge Anwältin Jeanne Chauvin, die selbstbewusst und schlau von Eugénie Derouand gespielt wird - und ohne die Kommissar Jouin den Fall nicht lösen könnte. Geschenkt, dass die beiden auch im Bett landen.

Nicht geeignet für: Fans harmoniegetriebener Häubchen-Verfilmungen. Auch wenn die Kulisse opulent, die Kostüme aufwendig sind, so ist Paris Police 1900 düster, grausam - und an manchen Stellen ziemlich vertrackt und verworren. Carolin Gasteiger

Bei Sky Ticket, acht Folgen

Deadlines

Was passiert: Vier Freundinnen, die Ende der Neunziger, Anfang der Nullerjahre gemeinsam in Frankfurt zur Schule gegangen sind, finden sich wieder. Nur sind Elif, Jo, Franzi und Lena jetzt blöderweise erwachsen, also Anfang, Mitte 30 und im generationstypischen Ich-Limbo unterwegs: Kinderwunschzentrum, die drohende aber nachhaltige Hochzeit, Verschuldung, Beziehungsunfähigkeit: Jede der vier Frauen ist mit ihrer eigenen, biografischen Deadline zugange.

Heimlicher Star: Der wirklich widerliche Freund beziehungsweise Ex-Freund von Influencerin Franzi, der sie mit dem Satz verlässt: "Ich habe unseren Instagram-Account nie gemocht." Wofür die vier Freundinnen sich starmäßig rächen werden.

Nicht geeignet für: Alle, die genug haben von Nostalgie-Fiktion und Verweisen auf die grelle Zeit der endenden Neunziger- und beginnenden Nullerjahre, also von Take That, Piercings, Sarah Connor und Ecstasy. Friederike Zoe Grasshoff

Auf ZDFneo, acht Folgen.

Monster bei der Arbeit

Was passiert: Die "Monster AG" aus dem gleichnamigen Pixarfilm von 2001 hat Kinder erschreckt, um aus ihren Schreien Energie zu gewinnen - bis am Ende des Films rauskam, dass man mit Gelächter viel mehr Energie gewinnen kann. Was passiert, wenn professionelle "Schrecker" plötzlich auf "Scherzer" umlernen müssen, zeigt dieser Serienableger.

Heimlicher Star: Die beiden Protagonisten des Monster AG-Kinofilms, Mike und Sulley, haben einen lustigen Gastauftritt.

Nicht geeignet für: Disney-Club-Hasser.

Monster bei der Arbeit, zehn Folgen, ab 7. Juli auf Disney+.

Young Royals

Was passiert: Der jüngere Sohn der schwedischen Königin muss nach einer Diskoprügelei ins Edel-Internat. Dort verliebt er sich in den hübschen Stipendiaten Simon aus der Sozialbausiedlung. Als Prinz Wilhelm wieder auf den Schirm der (sozialen) Medien gerät, wird das zum Problem.

Heimlicher Star: Sara, die Schwester von Simon - ebenfalls Stipendiatin. Sie spricht wegen ihrer Asperger-Diagnose aus, was alle wissen und denken, aber sich nicht zu sagen trauen.

Nicht geeignet für: Ausstattungsfans unter den Adelsserienfreunden. Das Internat ist ein Gutshaus am See, aber an Downton Abbey reicht es wirklich nicht heran. Kathleen Hildebrandt

Young Royals, sechs Folgen, Netflix.

Ted Lasso

Was passiert: Der netteste Trainer der Welt ist zurück, von Fußball hat Ted Lasso (Jason Sudeikis) aber immer noch keine Ahnung. Macht nichts, die Spieler, Kollegen und Fans des fiktiven Londoner Fußballvereins AFC Richmond lieben den Schnauzbartträger aus Kansas trotzdem.

Heimlicher Star: Led Tasso, das Alter Ego des Titelhelden. Äußerlich unterscheidet er sich nicht von Ted, er ist aber furchtbar cholerisch und schmeißt Tische um. Da kapituliert selbst die größte Dribbeldiva.

Nicht geeignet für: Freunde des sportlichen Wettkampfs - denn Fußballszenen gibt es trotz der Thematik nur wenige. Josef Grübl

Staffel 2, bei Apple TV+

Scott & Huutsch

Was passiert: Scott Turner heißt nicht nur wie sein Vater, sondern ist wie dieser auch Polizist geworden. Er erbt sogar dessen geliebten Hund, den sabbernden Huutsch. Der erweist sich als begabte Spürnase und hilft dabei, den Tod des Vaters aufzuklären. Die Fortsetzung des gleichnamigen Films mit Tom Hanks von 1989 erzählt zwar nahezu dieselbe Geschichte nochmal, aber Dog Content funktioniert ja eigentlich immer. Dem anthropomorphisierten Hund mit seinem faltigen Gesicht nimmt deshalb auch niemand das Chaos übel, das ihm auf Schritt und Tritt folgt.

Heimlicher Star: Showrunner Matt Nix, der die vorhersehbare Handlung mithilfe von Anleihen aus Blockbuster-Krimis zu einem kurzweiligen Zitate-Bingo gemacht hat.

Nicht geeignet für: Katzenladys und Leute, die Filmquiz für Zeitverschwendung halten. Sofia Glasl

Bei Disney+, sechs Folgen

Loving Her

Was passiert: Bei Hanna läuft es nicht. Kein Job in Aussicht, der Pandemie-Alltag nervt, Liebeskummer auch und der Vermieter meldet Eigenbedarf an. Jetzt soll es von Berlin zurück nach Bielefeld gehen. In sechs Folgen erinnert sich Hanna an die Frauen, die sie in der Hauptstadt geliebt hat: Von der ersten großen Liebe über die Clubbekanntschaft, Arbeitsaffäre und der obsessiven Schwärmerei bis zur gescheiterten Beziehung.

Heimlicher Star: Der Soundtrack, der immer an die aktuelle Geschichte anzuknüpfen scheint.

Nicht geeignet für: Alle, die auf der Suche nach der nächsten Mammut-Binge-Serie sind. Nach einer Stunde ist der Serienspaß vorbei. Lena Reuters

In der ZDF-Mediathek, 6 Folgen

Schmigadoon!

Was passiert: Die New Yorker Josh und Melissa, ein geradezu archetypisches Paar Mitte dreißig, sitzen in einem prüden Heile-Welt-Musical der Vierzigerjahre samt seinen aufgekratzten Bewohnern fest. Zurück nach Hause können die beiden nur, wenn sie mit ihrer wahren Liebe die Brücke am Ende des Ortes Schmigadoon überqueren. Doch als sie sich auf den Weg machen, taucht am Ende der Brücke - wieder Schmigadoon auf.

Heimlicher Star: Die gutmütige Lehrerin von Schmigadoon (Ariana DeBose), die nicht nur eine schwungvolle Schulhausnummer hinlegt, sondern der Serie mehr Tiefe verleiht.

Nicht geeignet für: Menschen, die sich, so wie Protagonist Josh, auf die Musical-Nummer nicht einlassen können. Lena Reuters

Bei AppleTV+, 6 Folgen

Ich und die anderen

Was passiert: Tja, das ist die Frage in dieser ungewöhnlichen neuen Serie des Österreichers David Schalko. Tristan (Tom Schilling) darf sich von einer Fee, die hier ein alter Taxifahrer ist, Sachen wünschen. Zum Beispiel, dass ihn alle lieben sollen. Die Konsequenzen probiert er dann eine Folge lang aus. Eigentlich geht es aber um den Narzissmus der Gegenwart, der es schwer macht, überhaupt noch zu wissen, was man eigentlich wirklich will.

Heimlicher Held: Zwei Helden, nämlich Sophie Rois und Martin Wuttke als Tristans Eltern, ein Altachtundsechziger-Künstlerpaar, das nicht aufhört, vom Penis des Vaters zu reden.

Nicht geeignet für: Leute, die wissen wollen, was denn hier nun eigentlich Sache ist. Die Serie wird damit beworben, dass sie mit dem linearen Erzählen bricht und den Plot stattdessen "diskursiv" entfaltet. Leichte Kost ist das nicht. Kathleen Hildebrand

Auf Sky, sechs Folgen

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