Worum geht’s: Ruben (Richard Gadd) ist Nialls (Jamie Bell) brother from another mother. Aber nicht, weil sie sich so nahestehen, sondern weil ihre Mütter ein Paar sind. Ruben ist ein schlichter Schläger, Niall klug und schüchtern. Über mehrere Jahrzehnte folgt Richard Gadd, der wie bei „Rentier Baby“ auch das Drehbuch geschrieben hat, dieser brutalen Beziehung, in der irgendwann nicht mehr ganz klar ist, wer der Fiesling ist.
Heimlicher Star: Die sogenannte toxische Männlichkeit, die Gadd hier zu analysieren versucht.
Nicht geeignet für: Zuschauer, die explizite Gewaltdarstellungen nicht aushalten. Susan Vahabzadeh
Sechs Episoden, auf HBO Max.

Worum geht’s: In der dritten Staffel der Teen-Dramaserie „Euphoria“ müssen die Macher ein weltliches Problem lösen: jenes, dass ihre Darsteller keine Teens mehr sind. Sondern mitunter Weltstars: Zendaya, Sydney Sweeney, Jacob Elordi. In ihren Rollen als Rue, Cassie und Nate sehen wir sie nun mit Mitte zwanzig im Leben angekommen – in einem grotesk kaputten Leben. In der deutschsprachigen Kritik wurde Showrunner Sam Levinson als der größte Sexist des Jahres abgewatscht, dem nichts mehr einfalle, außer alle Frauenfiguren in sexuellen Abhängigkeitsbeziehungen gefangenzuhalten. Die US-Medien lobten „Euphoria“ dagegen für den jetzt noch gnadenloseren Nihilismus. Sehenswert ist auch diese Staffel allemal, schon weil man sich ja mit aufregen will, entweder über die Serie oder über alle, die sich über die Serie aufregen.
Heimlicher Star: Popstar Rosalía als Stripperin mit Halskrause.
Nicht geeignet für: Menschen, die empfindlich darauf reagieren, wenn Schauspielerinnen sich unter Tränen und Würgen in Großaufnahme riesige Fentanylbeutel den Rachen hinunterschieben müssen. Bernhard Heckler
Bislang drei Folgen, auf HBO Max.

Worum geht’s: Margo (Elle Fanning) will Schriftstellerin werden. Aber sie fängt eine Affäre mit ihrem Collegeprofessor an, wird schwanger und hat dann erst mal ganz profane Sorgen: einen Job finden, die Miete zahlen, Windeln kaufen. Ihre Eltern (grandios: Michelle Pfeiffer und Nick Offerman) sind dabei nur bedingt hilfreich. Aber dann stößt sie auf Onlyfans.
Heimlicher Star: Im Hollywood Reporter erzählte die Autorin der Buchvorlage, Rufi Thorpe, worauf es ihr bei der Serienadaption besonders ankam: Vergesst das Baby nicht. Bodhi ist wirklich hinreißend.
Nicht geeignet für: Zuschauer und Zuschauerinnen mit schwachen Nerven oder Stillbeschwerden. Carolin Gasteiger
Acht Folgen, auf Apple TV+.

Worum geht’s: Der misogyne Gottesstaat aus Margaret Atwoods „The Handmaid’s Tale“ wird in der Sequel-Serie aus einem neuen Blickwinkel gezeigt: In einer elitären Schule lernen die höheren Töchter von Gilead weder lesen noch schreiben, dafür aber, wie man eine gute Ehefrau wird. Doch dann wird eine junge Kanadierin als Spionin für die revolutionären Kräfte eingeschleust. Eine gruselige Variation auf das Genre der Highschool-Serie.
Heimlicher Star: Das Design der restlos totsanierten und -geputzten Neuengland-Villen, in denen die Führer von Gilead residieren.
Nicht geeignet für: Leute, die „The Handmaid’s Tale“ wegen der grausamen Folterszenen geguckt haben. Davon gibt es hier wesentlich weniger. Kathleen Hildebrand
Zehn Folgen, auf Disney Plus.

Worum geht’s: Ein knappes Jahrhundert chilenischer Geschichte erzählt als Epos über drei Generationen der Familie Trueba. Schon in der Romanvorlage von Isabel Allende standen die Frauen im Mittelpunkt, in der neuen Serie aus Lateinamerika sind sie deutlich greifbarer und authentischer als in der Filmversion von 1993. Die war damals zwar hochkarätig besetzt mit Meryl Streep, Winona Ryder und Glenn Close, aber eben auch sehr weiß. Gerechtigkeit und das Patriarchat – die Themen in „Geisterhaus“ sind aktuell wie eh und je.
Heimlicher Star: Francesca Turco, die in den ersten Folgen Clara del Valle als hellseherisches Kind spielt und ihre übernatürlichen Fähigkeiten mit diebischer Freude ausprobiert.
Nicht geeignet für: Puristen und Kitsch-Feinde. Karin Janker
Acht Folgen, auf Amazon Prime.

Worum geht’s: Jónas war im Gefängnis, verurteilt wegen Versicherungsbetrugs. Nach seiner Entlassung möchte sich der Koch eine neue Existenz aufbauen. Dafür lässt er sich, nach einigen Rückschlägen, auf einen Pakt mit dem organisierten Verbrechen ein. Von da an ist Feuer unterm Dach in seinem Leben – nicht nur, wenn er am Herd steht und Speisen flambiert.
Heimlicher Star: Rósa (Iðunn Ösp Hlynsdóttir), eine junge Frau, die als Kellnerin in Jónas’ Restaurant arbeitet. Die aber vor allem das Leben gleich mehrerer Figuren gehörig umkrempelt.
Nicht geeignet für: Menschen, die nicht sehen wollen, was mit den Zutaten ihrer Mahlzeiten passiert, bevor sie auf den Teller kommen. Stefan Fischer
Sechs Folgen, in der Arte-Mediathek.

Worum geht’s: Der Trickbetrüger Eddy (Alexandre Kominek) ist ein Zahlengenie und gut in seinem Job. Dummerweise schnappt ihn die Polizei. Danach geht er für drei Wochen undercover als Mathe-Lehrer ans Gymnasium und soll dort das anonym gehaltene Kind eines Drogenbosses ausfindig machen.
Heimlicher Star: Laurence Arné als Ermittlerin Lucie. Mit ihrer kühlen, kompromisslosen Art ist sie der perfekte Gegenpol zum ständig improvisierenden Eddy.
Nicht geeignet für: Fans von erlösenden Happy Ends. Florian Kaindl
Acht Folgen, auf Netflix.

Worum geht’s: Ein Bestsellerautor (Steve Carell) muss zurück an die Uni, als Gastdozent, und um die Liebe seiner Tochter zu retten, einer Kunstprofessorin. Die Komplikationen dort sind schlimmer als in seinen Thrillern.
Heimlicher Star: John C. McGinley als Unipräsident, der als Pater familias die Tricksereien und Ausflüchte der ihm Anvertrauten klären muss, am liebsten bei einem Gespräch in der Sauna.
Nicht geeignet für: Für alle, die der Macht der Bilder misstrauen … etwa, dass ein Vater sein noch ungeborenes Kind im Überschall sieht und gleich wieder seine Liebe aufflammen spürt, zu der Frau, mit der er fremdgeht. Fritz Göttler
Zehn Folgen, auf HBO Max.
Weitere Serienkritiken finden Sie hier.

