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Online-Portal "Stayalive": "In meinem Alter haben Sie da 30 bis 40 Tote im Telefon"

Daran wollen die Gründer selbstverständlich nicht denken - und sprechen an diesem Vormittag lieber von Markworts goldenem Händchen, erprobt bei Titelen wie Focus oder Ein Herz für Tiere - und viel vom Facebook-Erfolg. Und an diesen will man mit der neuen Geschäftsidee offenbar anknüpfen. Denn der Auftritt von Stayalive erinnert erstaunlich an das mittlerweile 550 Millionen Nutzer zählenden Freunde-Portal. Ebenfalls in Blau gehalten, und auch der weiße Schriftzug ist durchaus ähnlich. Auch hier kann man Freunde sammeln.

Mit Fakten, für die laut Fakten-Macher Marktwort an diesem Tag Geschäftsführer Krage zuständig ist, will dieser nicht so recht rausrücken. Ein Ziel - wie viele Accounts in einem Jahr akquiriert werden sollen - wird nicht bekanntgegeben. Und auch die genauen Strategien, die das Portal sicher machen sollen, will der Manager nicht verraten. In seinem Todesportal immerhin verrät er seinen Spitznamen: "Mucki." Aha.

Auch Markworts Motivation wird an diesem 9. November nicht wirklich deutlich. "Gründen ist mein Hobby", erklärt er zu Beginn der Konzferenz. Und später bekräftigt er, das Konzept habe ihn überzeugt. Womit genau, erklärt er nicht. Und es hat ihn offenbar so sehr überzeugt, dass er selbst noch immer keinen Account angelegt hat.

Stattdessen überlegt er, dass die Tomorrow Focus AG seines alten Arbeitgebers Hubert Burda ja noch einsteigen könnte, wenn das Portal einmal wertvoll sei. Dort jedoch dementiert man vehement: "Von Seiten der Tomorrow Focus AG ist definitiv keine Beteiligung an Stayalive geplant."

Eine Aktion gegen Burda soll das Ganze jedenfalls nicht sein. "Da bin ich noch angestellt und Geschäftsführer", erklärt Markwort. Hubert Burda habe er sogar rechtzeitig informiert - und dem Digital-Geschäftsführer Paul-Bernhard Kallen wurde die Idee sogar präsentiert. Warum Burda aber nicht mit ins Boot geholt wurde, wollte der 73-Jährige nicht wirklich sagen ("Passt nicht zu Burda"). Und dessen Kommentar dazu soll gelautet haben: "Sie machen sich unsterblich!"

Stattdessen spricht Markwort lieber über seinen Freund Monti Lüftner, dessen Grab nicht wirklich gut gepflegt sei und dessen Telefonnummer er immer noch in seinem Handy gespeichert habe. "In meinem Alter haben Sie da 30 bis 40 Tote im Telefon." Und den ein oder anderen habe er auch schon einmal angerufen, nach dessen Tod. Markwort wollte hören, "was da kommt". Mit Stayalive werde es ihm nun vielleicht leichter fallen, diese Nummern aus dem Adressbuch zu entfernen, sinniert er noch.

Und dann verrät der Mann, der selbst gerne den Tod im Jedermann spielt, doch noch eine persönliche Passion in Bezug auf dieses Projekt. Er würde gerne nach seinem Tod eine Liste mit Leuten veröffentlicht wissen, die nicht auf seine Beerdigung kommen sollen - und diese Liste, so Markwort, "wird jeden Tag länger".

In die Idee dieser Liste, so darf man ruhig vermuten, könnte sich Markwort bei der Unterstützung des Portals unsterblich verliebt haben.