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Online-Medien:Wir gegen sie

Die populistische US-Website "Breitbart" will nach Deutschland expandieren. Obwohl noch niemand weiß, ob und wann diese Pläne Realität werden sollen, schmieden die Gegner bei einer Tagung in Berlin bereits Abwehrpläne.

Beim Ziel der Kritik ist die Botschaft offenbar angekommen, denn die amerikanische Website Breitbart beschäftigte sich am Wochenende mit ihren deutschen Gegnern. Journalisten, links und knapp bei Kasse, so meldete die populistische Nachrichtenseite, sammelten Geld für ein Anti- Breitbart-Medium.

Breitbart ist eine US-Website, die sich rühmt, Donald Trump zur Präsidentschaft verholfen zu haben. Der Mann, über den die Seite berichtet, heißt Christoph Kappes, der etwa für die FAZ und Zeit Online schreibt und als Digitalmanager arbeitet. Bereits im November, als Breitbart eine Expansion nach Deutschland ankündigte, beschloss er, ein Gegenangebot aufzubauen.

Ob es Breitbart jemals in Deutschland geben wird, ist völlig offen, bislang gibt es kaum Hinweise darauf, dass die Betreiber ernsthaft daran arbeiten. Der Widerstand aber bringt sich bereits in Stellung. Am vergangenen Wochenende lud "Schmalbart", so heißt Kappes Projekt, seine Unterstützer nach Berlin ein. Man wolle sich, so die Ankündigung, gegenseitig kennenlernen.

Die Menschen, die von der Furcht vor einer amerikanischen Website am Samstag ins Berliner Beta-House getrieben wurden, sind im Schnitt 40 Jahre alt und männlich - und auch wenn Kappes betont, dass unterschiedliche Meinungen erwünscht seien, ist man sich politisch vermutlich eher einig. Ein Teilnehmer trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: Lieber Gutmensch als Arschloch. "Ich freu mich total, alles coole Leute hier", sagt Kappes.

Zu seiner Initiative zählen bislang etwa 200 Menschen, ein Drittel von ihnen ist nach Berlin gekommen. "Wir finden hier das ökosoziale, postmoderne Milieu, aber auch Performer", beschreibt Kappes seine angereisten Unterstützer, "die Schnittmenge aus geringem Bildungsniveau und geringem Einkommen eher nicht."

In den vorderen Stuhlreihen nicken ein paar graue Köpfe, als Kappes mahnt, trotz der Anfeindungen im Netz nicht den Humor zu verlieren. Dann werden Workshops vorgestellt: Juliane, 31, möchte weiter an einer gemeinsamen Strategie arbeiten. Da gibt es viele offene Fragen: Sollen die Schmalbart-Mitglieder als solche im Netz erkennbar sein oder nicht? Soll Schmalbart auf Anfeindungen reagieren oder sie ins Leere laufen lassen? Jannik, 28, möchte über die Gefahren von Psychometrie reden, wie Parteien Profilanalysen auf Facebook für den Wahlkampf nutzen könnten.

Sehr konkret ist das alles noch nicht, aber es gibt bislang ja auch keinen konkreten Gegner; trotzdem möchte Kappes neben dem Austausch im Netz regelmäßige Treffen abhalten - auch in Hamburg und München. Vor dem Treffen in Berlin hat ein dreiköpfiges Team die Social-Media-Präsenz aller Teilnehmenden unter die Lupe genommen und Kappes hat mit fast allen Angemeldeten telefoniert - Schmalbart ist auch ohne klare Agenda schon ein Feindbild: Während des Treffens gibt es einen Hackerangriff.