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Serie "On Becoming a God in Central Florida":Arm mit Krokodil

In "On Becoming a God in Central Florida" spielt Kirsten Dunst eine Schönheitskönigin, die zum Opfer eines Schneeball-Anlagesystems wird. Leider fehlt der Serie der konsequente Wille zum Wahnwitz.

Von Luise Checchin

On Becoming a God in Central Florida - Gloomy-Zoomies

Krystal (Kirsten Dunst) verdient ihr Geld in einem heruntergekommenen Wasserspaßpark.

(Foto: Patti Perret/Sony Pictures Television Inc. and Showtime Networks Inc.)

Es gibt ein paar Bilder in der Serie On Becoming a God in Central Florida , die sind so merkwürdig, eklig und absurd, dass man weiß, man wird sie nicht so schnell vergessen. Wie die von dem Baby, das friedlich in einem Tragesitz vor sich hin lallt, während sich eine dickflüssige, dunkelrote Flüssigkeit auf es zubewegt. Man braucht einen Moment, bis man versteht, dass der Sitz gleich in einer Lache aus Blut stehen wird, und noch einen, bis man sieht, wessen Blut das ist. Denn die Mutter des Babys, eine gewisse Krystal Stubbs (Kirsten Dunst), ist gerade dabei, zwei Krokodile auszuweiden, um ihr Fleisch in mundgerechten Stücken tiefzugefrieren.

Man sollte wohl erwähnen, dass die Krokodile nicht ganz unschuldig an ihrem Schicksal sind, immerhin haben sie kurz zuvor Krystals Ehemann Travis in Stücke gerissen, nachdem der mit seinem Auto in einen floridianischen Sumpf gebrettert war. Allerdings weiß auch Krystal, wer eigentlich für den Tod ihres Mannes verantwortlich ist: Die Organisation "Founders American Merchandise", für die Travis so aufopferungsvoll schuftete, dass er vor Erschöpfung von der Fahrbahn abkam. FAM verspricht Leuten schnellen Reichtum, für den diese freilich erst Geld investieren müssen, das sie nur wieder erwirtschaften, wenn sie genug neue Mitglieder anwerben, die sich ebenfalls verschulden.

On Becoming a God in Central Florida spielt in den frühen Neunzigerjahren, was die Serie überdeutlich mit buntgemusterten Outfits und Gute-Laune-Attitüde bebildert. In dieser Atmosphäre findet sich Krystal als verschuldete, alleinerziehende Witwe wieder, die der sektenartigen FAM-Gemeinde nie getraut hat, nun aber nach deren Regeln mitspielen muss. Denn sie hat außer einer Garage voller wertloser FAM-Produkte und ihrem Job in einem runtergekommenen Wasserspaßpark keine Verdienstaussichten.

Die Frage, was die Ersatzreligion Geld, was der Kapitalismus mit Menschen anstellen kann, ist also das Thema und die Serie versteht es, nicht auf das Milieu, das FAM verfällt, herunterzublicken. Hart arbeitende Leute sind das, die trotzdem nur gerade so über die Runden kommen. Dunst, die die Serie mitproduzierte, spielt die ehemalige Schönheitskönigin mit der rausgewachsenen Blondierung ganz fabelhaft. Doch auch Krystals grimmiger Todesmut kann nicht über die Schwächen der Serie hinwegtäuschen. Den Dialogen fehlt es oft an Witz, die Nebenfiguren bleiben mit Ausnahme des Wasserparkmanagers Ernie (Mel Rodriguez) blass, und die Handlung plätschert trotz einiger skurriler Szenen ohne nennenswerte Cliffhanger vor sich hin. Um aus On Becoming a God in Central Florida eine richtig gute Serie zu machen, hätte es einen deutlich konsequenteren Willen zum Wahnwitz gebraucht.

On Becoming a God in Central Florida, bei Joyn Plus*

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© SZ vom 12.03.2020/luch
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