Olympia-Kolumne "Geschlossene Gesellschaft":Tränen lügen nicht

Olympia-Kolumne "Geschlossene Gesellschaft": Illustration: Luis Murschetz

Illustration: Luis Murschetz

(Foto: Illustration: Luis Murschetz)

Wenn Olympia zu Ende geht, weinen die Leute davonfliegenden Träumen hinterher - manchmal sogar davonfliegenden Bären.

Von Holger Gertz

Im Tiefenrauschen und komplett jenseits des Medaillenspiegels etabliert sich bei Olympia gegen Ende hin immer eine Sondersportart, das Weinen. Wenn nicht vor Ort in Peking geweint wird, schalten sie im Fernsehen gern dorthin, wo die Aussicht auf Tränen der Rührung erheblich ist, zu den Fans und Familien der Athleten und Athletinnen. Als der Kombinierer Eric Frenzel, nach Corona und Quarantäne, doch noch Mannschaftssilber gewann, sagte ARD-Moderatorin Jessy Wellmer: "Wir wären gern bei Mama Silke Frenzel in der Kita Tannenzwerge!" Natürlich, in einer Kita wird viel geheult, und nicht nur von der Kindergärtnerin. Aber da wusste Jessy Wellmer noch nicht, dass sie wenig später selbst als Tränenfängerin gefragt sein würde. Da stand die Eiskunstlaufmajestät Katarina Witt bei ihr im Studio und weinte und weinte, über das Schicksal der Eisprinzessin Kamila Walijewa, die ihre Kür verpatzt hatte, weil der Druck so groß war. Und in dem Fall war das vielstrapazierte Wort Druck tatsächlich noch untertrieben.

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