Oliver Welke im Gespräch:"Ich find's nicht komisch"

sueddeutsche.de: ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat gesagt, sie sollten mehr Quote als ARD-Chefzyniker Harald Schmidt holen.

Welke: Intern haben wir die Ansage bekommen, wir sollten auf Qualität achten und Spaß haben an dem Format. Die werden sich das erst mal geduldig angucken.

sueddeutsche.de: Es besteht natürlich die Gefahr, dass man für die Quote flache Witze präsentiert, oder?

Welke: Das darf man nicht machen. Wir versuchen zum Beispiel das ganze Thema Boulevard völlig auszusparen. Wenn mir Gags vorgeschlagen werden, wo Namen wie Franjo Pooth vorkommen, bin ich geistig am Strand. Davon möchte ich mich direkt distanzieren.

sueddeutsche.de: Boulevard als Tabu?

Welke: Ja, es gibt natürlich auch andere Grenzen - aber die müssen die Autoren und Macher für sich verantworten. Es gibt kein Handbuch der Humorgrenzen. Bei uns ist das nicht nur eine Geschmacksfrage. Wir haben als politische Satire auch thematisch eng gesteckte Grenzen. Sport geht immer.

sueddeutsche.de: Sie sind im Superwahljahr gestartet, aber 2010 fehlen wichtige politische Termine. Wie wollen Sie das füllen?

Welke: Wir waren auch sehr gespannt, wie das wird. Aber bis jetzt können wir uns über Themenarmut nicht beklagen, Schwarz-Gelb war bislang sehr gut für uns - denken Sie an die ganze Hartz-IV-Debatte, die Steuersünderdatei, das Krisentreffen der FDP. Ich glaube, dass die Saure-Gurken-Zeit im Mai kommt.

sueddeutsche.de: Und dann ...

Welke: ... muss man sich helfen und Themen selbst setzen. Wir haben ja zum Glück echte Reporter und nicht nur Moderatoren und Schauspieler, die Reporter spielen. Da muss man eben selbst auf eine Geschichte kommen.

sueddeutsche.de: Oder müssen die Kollegen herhalten - geht es irgendwann doch um Dieter Bohlen?

Welke: Nein, da versuche ich jetzt einfach mal zu versprechen, dass nicht mal der Name vorkommen wird. sueddeutsche.de: Sind DSDS und Das Supertalent nicht komische Sendungen?

Welke: Ich find's nicht komisch. Ich kann über die Kommentatoren schon lange nicht mehr lachen. Das wird wirklich hochgejazzt und sekundiert von Zeitungen, die mit Bohlen irgendwelche Verträge haben. Da ist er dann wieder Pop-Titan. Und wieder werden irgendwelche politischen Hinterbänkler gefunden, die so doof sind, zu fordern, dass man ihn vom Schirm nehmen soll und da gibt es prompt die nächste Schlagzeile. Diese endlose Verwertungskette finde ich ermüdend.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Oliver Welke über Stefan Raab sagt.

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