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Fußball-Berichterstattung:Wahnsinn, der hat ja Humor

Oliver Kahn nicht mehr ZDF-Experte

Oliver Kahn, als er noch für das ZDF auf Sendung war.

(Foto: Tom Weller/dpa)

Oliver Kahn legte als ZDF-Experte eine sympathische Wandlung hin. Schade, dass man davon nun nichts mehr sehen wird.

Von Harald Hordych

Oliver Kahn, 51, und das ZDF beenden nach zwölf Jahren die Zusammenarbeit bei Fußballspielen, die das Zweite überträgt. Schon im Januar war berichtet worden, dass der Vertrag nicht verlängert werden würde.

Kahn war zu Beginn des Jahres in den Vorstand der FC Bayern München AG aufgerückt und soll 2021 Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzenden beerben. Anfang des Jahres hatte der ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann der Sport Bild noch gesagt, dieser neue Posten sei kein Problem, Kahn würde dann eben keine Bayern-Spiele mehr als Experte begleiten, Zitat: "Kahn bietet einen Mehrwert für die Zuschauer und kann seine Rollen trennen." Doch die Verschiebung der EM ins Jahr 2021, die Kahn auch als Bayern-Vorstandsmitglied auf jeden Fall noch begleiten sollte, brachte die Pläne durcheinander.

Dass der Chef des Bayern-Vorstands als Fernseh-Experte Spieler der Mitbewerber im Nationaltrikot bewertet, ist für das ZDF nun offenbar doch nicht vorstellbar. Nun wurde die Trennung offiziell verkündet - und das ist mit "schade" nicht hinreichend beschrieben. Kahn hatte wie eigentlich jeder neue Experte leichte Startschwierigkeiten. Der einzige, der losredete, als ob er als Fußballexperte auf die Welt gekommen war, hieß Jürgen Klopp. Kahn knurrte anfangs vielsagend, wirkte manchmal mürrisch, wahlweise hölzern und schaute schon mal, als ob er zu dem ein oder anderen Thema lieber gar nichts sagen würde. Man erinnerte sich an seine Wutausbrüche auf dem Spielfeld und dachte: Lieber so als eine Kahn-Attacke!

Aber der frühere Welttorhüter hatte in den Anfangsjahren den gewitzten Profi Oliver Welke an seiner Seite, der ihn mit mildem Spott aus der Reserve lockte, und so wandelte sich Kahn zu einem angenehm präzisen und klugen Gesprächspartner. Bei manchen Übertragungen lachte er mehr als früher in einer ganzen Bundesliga-Spielzeit zusammen. Etwas lernen konnte man auch, vor allem, was klare Ansagen im Fußball sind. Seine Fähigkeit, Sachverhalte eindeutig und gut formuliert auf den Punkt zu bringen, wurde zu Kahns Markenzeichen. Dass Kahn Humor und, ja tatsächlich, Charme haben konnte, wurde erst im Fernsehen klar. Für ihn und damit auch den FC Bayern München ist die Kahn-Verwandlung mit Geld nicht zu bezahlen. Man hätte sich das gerne noch länger angesehen.

© SZ/dpa/khil

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