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Österreich:Vermittler Paul Lendvai zum 90.

Paul Lenvai

Noch immer moderiert er im ORF die Diskussionssendung "Europastudio": Paul Lendvai wird 90 Jahre alt. Früh hat er sich einen Namen als Vermittler zwischen Ost und West gemacht, heute tritt er als Mahner vor dem Populismus auf.

Zum Geburtstag hat er sich ein Buch geschenkt, selbst geschrieben natürlich. Die verspielte Welt heißt das neueste Werk, in dem Paul Lendvai zurückblickt auf persönliche Erlebnisse und Begegnung mit mächtigen Menschen. Der Fundus ist riesig, schließlich betreibt Lendvai, der an diesem Samstag 90 Jahre alt wird, seit fast sieben Jahrzehnten schon Journalismus in Bestform. Noch immer moderiert er im ORF die Diskussionssendung Europastudio, noch immer gibt er die von ihm 1973 mitgegründete Zeitschrift E uropäische Rundschau heraus, noch immer schreibt er seine Kolumnen im Standard. Als Mittler zwischen Ost- und West hat er sich früh einen Namen gemacht. Als Mahner vor dem Populismus nach Art des Viktor Orban in Ungarn tritt er heute auf. In Budapest wurde er 1929 als Sohn jüdischer Eltern geboren. Den Holocaust hat er dort im Schutz der Schweizer Botschaft überlebt. Nach dem gescheiterten ungarischen Volksaufstand ist er 1957 nach Wien geflohen, war Korrespondent der Financial Times, später Chefredakteur der ORF-Osteuroparedaktion und Intendant von Radio Österreich International. Aufrichtigkeit war ihm immer wichtiger als Applaus. "Mag die eine oder andere Geschichte kritischen Lesern, aus welchem Grund immer, missfallen", schreibt er im neuen Buch, "so hoffe ich doch, dass sich niemand langweilen wird."