Die Funke-Mediengruppe aus Essen hat bei der österreichischen Wettbewerbsbehörde die Absicht angemeldet, die alleinige Kontrolle über die Kronen Zeitung - Österreichs auflagenstärkste Tageszeitung - zu übernehmen. Die WAZ Ausland Holding, die zu 51 Prozent der deutschen Funke-Gruppe und zu 49 Prozent dem österreichischen Unternehmer René Benko gehört, hält 50 Prozent der Zeitung. Sie teilte sich das Steuerungsrecht bisher mit den Erben des Krone-Gründers Hans Dichand, die ebenfalls 50 Prozent des Unternehmens innehaben. Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard zuerst berichtete und die Funke-Gruppe auf Anfrage bestätigt, begründet sie ihren Anspruch auf alleinige Kontrolle damit, dass sich die Stimmrechte der Dichands durch die Aufteilung der Anteile auf die Erben verringert haben. Der Gesellschaftsvertrag bewerte Stimmrechte nämlich anhand ganzer Prozentpunkte. Weil Dichands Frau und seinen drei Kindern jeweils 12,5 Prozent des Unternehmens gehören, seien das nur jeweils 12 Prozent an Stimmrechten pro Kopf. Die Funke-Gruppe argumentiert, dass die Dichands deshalb insgesamt nur noch 48 Prozent der Stimmrechte halten. Diese Auslegung bestreitet die Rechtsvertreterin der Familie, Huberta Gheneff. Sie sagte dem Standard, man habe das Vorgehen der Funke-Gruppe erwartet und plane nun, deren Anmeldung bei der Wettbewerbsbehörde zu widerlegen. Somit setzt sich ein jahrelanger Streit um die Vormacht bei Österreichs größter Tageszeitung fort.
ÖsterreichMachtkampf um "Kronen Zeitung"
Von Johanna Hinterholzer