Ölkatastrophe im Golf von Mexiko Betreten verboten

Pressefreiheit unter Polizeischutz: Journalisten im Golf von Mexiko wird es nicht leicht gemacht, wenn sie über die Ölkatastrophe berichten wollen. BP behindert die Berichterstattung.

Von Reymer Klüver

Bei der Times-Picayune, der Lokalzeitung von New Orleans, wollten sie es nicht glauben. Die FAA, Amerikas Flugaufsicht, verweigerte dem Piloten, der ihren Fotografen über die Ölgewässer im Golf von Mexiko fliegen wollte, schlicht die Erlaubnis. Und zwar, wie die kleine Charterfluggesellschaft des Piloten versichert, in dem Moment, als sie erwähnten, dass sie einen Zeitungsfotografen an Bord hätten. Die FAA bestreitet, dass das Flugverbot im vergangenen Monat etwas mit der Präsenz eines Medienvertreters zu tun hatte. Zivile Flüge müssten begrenzt werden, damit sie die Operationen der Flugzeuge und Hubschrauber im Katastrophengebiet nicht behinderten.

Im Golf von Mexiko strömt weiterhin Öl aus dem Bohrloch in rund 1500 Metern Tiefe.

(Foto: ap)

Das ist kein Einzelfall. Die Beschwerden häufen sich, dass BP und selbst Bundesbehörden wie die FAA oder die Küstenwache Journalisten die Arbeit erschweren und vom Öl fernzuhalten versuchten. Der demokratische Senator Bill Nelson hat sich schon bei Heimatschutzministerin Janet Napolitano beklagt. BP weist die Kritik zurück. "Generell haben wir bisher versucht, den Medien so viel Zugang wie möglich zu verschaffen", sagt ein Sprecher des Konzerns.

Tatsache aber ist, dass das sogenannte Deepwater Horizon Unified Command - in dem BP mit den Bundesbehörden die Aufräumarbeiten koordiniert - eindeutig bemüht ist, den Zugang der Medien zu reglementieren. Wer zum Beispiel mit den Tierpflegern sprechen will, die ölverdreckte Tiere von den Vogelinseln im Mississippi-Delta in Empfang nehmen, darf nicht einfach an die Tür ihres Containers im Hafen von Grand Isle klopfen. Ein großer Zettel, in einer mit Tesafilm befestigten Klarsichtfolie, weist alle neugierigen Medienleute darauf hin, dass sie sich erst mit der Pressestelle des Unified Command im 230Kilometer entfernten Robert in Verbindung zu setzen hätten, um eine Genehmigung zu bekommen. Und da ist es mit einem Anruf nicht getan.

Auch zu den Arbeitskolonnen an den Stränden darf man nicht einfach gehen. Örtliche Polizisten bewachen, allerdings erkennbar widerstrebend, die Zufahrtswege. Sie haben Anweisung, Journalisten ans Meer zu eskortieren und darauf zu achten, dass sie keine ungenehmigten Interviews mit den Arbeitern führen. BP und die "Feds", sagen sie, also Bundesbehörden wie die Küstenwache, hätten die Zugangsbeschränkungen verlangt. Billy Nungesser, dem aufmüpfigen Landrat von Plaquesmines Parish im Delta, gehen die Maulkorb-Tendenzen zu weit. Er glaubt ohnehin, dass Küstenwache und BP unter einer Decke stecken. Deshalb hat er seinen Sheriff angewiesen, auf dessen Speed-Booten Journalisten hinaus in die Inselwelt zur Ölsuche zu befördern - Pressefreiheit unter Polizeischutz.

Ed Markey, der demokratische Kongressabgeordnete, dessen Energieausschuss die Ölpest untersucht, glaubt, dass BP der Öffentlichkeit Informationen vorenthält. "Sie haben versucht, Medienleuten den Zugang zu erschweren. Es ist ein Unternehmen, das Transparenz nicht gewohnt ist." Tatsächlich versucht der Konzern offenbar, lieber auf seine Weise Öffentlichkeit herzustellen: Seit Wochen laufen in US-Zeitungen ganzseitige Anzeigen von BP, auf denen viel blaues Wasser und viel blauer Himmel zu sehen sind - und keine Ölschlieren. Darunter steht: "Wir kriegen das hin. Wir werden das in Ordnung bringen." 50 Millionen Dollar lässt sich BP die Kampagne kosten.