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RBB-Intendantin zu Aussagen über Rassismus:Schlesinger entschuldigt sich für Nuhr

Der Kabarettist hatte sich in seiner Sendung, die vom RBB produziert wird, über ein Buch der Autorin Alice Hasters geäußert - ohne es gelesen zu haben.

Patricia Schlesinger, die Intendantin des RBB, hat sich in einem Brief für einen "sachlichen Fehler" des Kabarettisten Dieter Nuhr, aber auch "für die redaktionellen Fehler des RBB" in der ARD-Sendung Nuhr im Ersten am 12. November entschuldigt. Darin hatte er den Titel des Buches "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten" der deutschen Autorin Alice Hasters als rassistisch kritisiert und fälschlicherweise behauptet, ihr Buch sei in den USA "ein Riesenrenner". Das Buch ist ausschließlich in Deutschland erschienen.

Mit ihrer Entschuldigung hatte die Intendantin am Donnerstag auf einen von zahlreichen Frauen unterzeichneten offenen Brief des Kollektivs "Black Womxn Matter" reagiert, in dem Nuhr vorgeworfen wird, die Existenz von strukturellem Rassismus in Deutschland in Frage zu stellen. "Dies führte zu einer Welle der Empörung innerhalb der schwarzen Community in Deutschland", heißt in dem Schreiben, das der SZ vorliegt. In dem Kollektiv sind mehr als 300 schwarze Frauen vernetzt, um dem Alltagsrassismus in Deutschland zu begegnen. Die Entschuldigung der Intendantin hatte sich hauptsächlich an Alice Hasters gerichtet.

In der Sendung hatte sich Dieter Nuhr kritisch über den Titel geäußert, allerdings ohne den Inhalt des Buches zu kennen. Nuhr hatte das Buch nach eigenem Bekunden "auf dem Flughafen im Vorbeigehen wahrgenommen". Auf seiner Facebook-Seite bekräftigt Nuhr seinen Vorwurf: "Er ist reißerisch und bezichtigt Weiße pauschal der Unwilligkeit, bestimmte Dinge wahrnehmen zu wollen." Der für Nuhr pauschale Vorwurf an Menschen einer bestimmten Hautfarbe war für ihn die Grundlage in der Sendung im Zusammenhang mit dem Buch von Rassismus zu sprechen.

Eine Stellungnahme gegenüber der SZ zitiert aus dem Brief der Intendantin: "Der sachliche Fehler von Dieter Nuhr war auch unser Fehler, weil wir die redaktionelle Verantwortung für die Sendung tragen; das hätte nicht passieren dürfen und unsere Entschuldigung dafür richtet sich zuerst an Alice Hasters. Das gilt auch für die Frage, ob über ein Buch gesprochen werden sollte, das nicht gelesen wurde: Nein, das sollte es natürlich nicht, darüber ist sich der RBB inzwischen auch mit Dieter Nuhr einig."

Die Intendantin nimmt aber in dem Schreiben Dieter Nuhr zugleich in Schutz, indem sie sich "für seine Kunstfreiheit" ausspricht: "Was Dieter Nuhr vom Buch von Frau Hasters, oder genauer von dessen Titel, hält, ist seine Meinung. Was er dazu in seiner Show sagt, ist in meinen Augen von der Kunstfreiheit gedeckt, auch das ist uns ein hohes Gut."

© SZ/hy/ebri
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