"Nona und ihre Töchter":Siebzig und schwanger

Lesezeit: 2 min

"Nona und ihre Töchter": Nona (gespielt von Miou-Miou) erwartet unverhofft Nachwuchs: mit 70 Jahren.

Nona (gespielt von Miou-Miou) erwartet unverhofft Nachwuchs: mit 70 Jahren.

(Foto: Stéphanie Branchu/Arte)

Nona hat bereits Drillinge allein aufgezogen. Nun erwartet sie im Alter erneut Nachwuchs. Eine überraschende Prämisse für eine Serie.

Von Susan Vahabzadeh

Wenigstens sind die Schöpfer von Nona und ihre Töchter gegen den Vorwurf gefeit, sie seien nicht originell, denn auf ihre Prämisse muss man erst einmal kommen: Nona, verkörpert von der wunderbaren Miou-Miou - das ist die aus Die Ausgebufften mit Gérard Depardieu von 1974 - ist schwanger. Mit siebzig Jahren. Sie hat drei erwachsene Töchter: Drillinge, die gerade 44 Jahre alt werden. Nona, ganz Feministin der Sechziger, hat sie allein großgezogen. Alles Kinkerlitzchen gegen das, was ihr nun bevorsteht: Ihr Liebhaber, den sie vor ihren Töchtern geheim hält, weil eine von ihnen bei ihm promoviert, ist der Genanalyse zufolge nicht der Kindsvater, und ihr Gynäkologe hat keinen blassen Dunst, wie es zu dieser Schwangerschaft überhaupt kommen konnte.

70 Jahre und schwanger, das ist eine Katastrophe, sagt Nonas Stimme am Anfang der ersten Serien-Folge aus dem Off. Allerdings. Den meisten Frauen stellen sich bei bei dem Gedanken an eine Schwangerschaft schon lange vor dem 70. Geburtstag die Nackenhaare auf. Nona ist auch nicht begeistert, aber ein Abtreibungsversuch ging schief, und nun ist sie im sechsten Monat. Nicht nur das: Ihr Gynäkologe versemmelt nicht nur Abtreibungen, er hat es auch nicht so mit dem Arztgeheimnis und informiert eine von Nonas Töchtern - jene, die von der Regisseurin Valérie Donzelli selber gespielt wird. Eine Schwangerschaft in ihrem Alter kann Nona gefährlich werden, also wird eine neue WG gegründet, mit Töchtern und einer männlichen Hebamme, und gegen diverse Widerstände.

Alle spielen richtig gut, und die Idee ist auf jeden Fall neu - aber ist sie deswegen wirklich gut?

Es geht jetzt natürlich viel durcheinander, es gibt reichlich Missverständnisse, ganz unbedingt will die Familie die Schwangerschaft vor dem restlichen Paris geheim halten. "Nona" ist im weitesten Sinne eine Sitcom, aber eigentlich ist nicht ganz klar, was die Serie nun sein soll. So vieles an ihr ist eigentlich richtig: Alle spielen ihre Rollen richtig gut, nichts ist krachert oder plakativ, es gibt keine Lacher vom Band, und manchmal bricht Nona in Gesang aus, was sehr rührend ist, obwohl Miou-Miou wirklich nicht singen kann. Am besten funktioniert die Serie immer dann, wenn sie gerade in die Tragödie zu kippen droht, in den stillen Momenten.

Aber die aufs Komische angelegten Szenen sind meist irgendwie enttäuschend. Wenn Nona den ihr treu ergebenen Professor, der mit traurigen Augen in die Welt blickt, abserviert, ist das nicht witzig, sondern bloß grausam. Oder die große Vaterschafts-Theorie-Enthüllung vor Kreidezeichnung: Absurde wissenschaftliche Ausführungen können natürlich zum Lachen sein. Aber manchmal sind sie eben nur absurd. Oder mittellustig. Was vielleicht der beste Begriff ist, das ganze Unternehmen "Nona und ihre Töchter" zu beschreiben: Mittellustig.

Am Ende ist in Nona vieles schön anzusehen. Aber von ihrer hanebüchenen Prämisse erholt sich die Serie nie. Die Idee ist auf jeden Fall neu; aber nicht alles, worauf vorher definitiv noch keiner gekommen ist, ist automatisch gut.

"Nona und ihre Töchter", Arte, donnerstags, ab 21 Uhr, jeweils drei Folgen, und auf arte.tv.

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