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Nominierung für den Deutschen Radiopreis:Sie singt den Wetterbericht, er spielt Gitarre dazu

Es gibt aber ein Wort bei Antenne Bayern, das wie ein Schutzzauber wirkt und das Allzujunge, Allzuwilde in Schranken weist: Käsefondue. "Menschen wie ich, die am Freitagabend zu Hause beim Käsefondue sitzen, müssen die Sendung auch verstehen", sagt Weber. Ab und an bekommen die jungen Wilden dann eine Mail von Valerie Weber, in der nur dieses eine Wort steht.

Dabei sind Christl und Hartmann schon ihr eigenes Korrektiv. Sie, die in der Nähe von Aschaffenburg aufgewachsen ist, übersetzt aus dem Oberbayerischen, wenn der Wirtshaussohn und gelernte Gastronom aus Farchant bei Garmisch für Franken kaum noch verständlich ist. Er probiert schneller mal was aus in seinen Moderationen, baut eine waghalsige Pointe auf. Sie fängt ihn wieder ein, wenn es zu kippen droht, ganz unaufgeregt holt sie das Gespräch zurück auf eine solide Basis. Die beiden kündigen auch nicht unentwegt marktschreierisch an, was noch Tolles kommen wird in der Sendung. Sondern machen einfach. Und bremsen sich gegenseitig, wenn der andere zu viel redet. Über sich selbst sprechen sie in der Sendung wenig.

Beide haben, was man schwer lernen kann: eine natürliche Präsenz. Eine, die nicht bloß durch vorlautes Quasseln behauptet wird. "Ich war schon als kleines Kind auf jeder Familienfeier die Maus, die was vorgeführt hat", sagt Hartmann. Sie sagt das tatsächlich immer wieder über sich: Maus. Oder Mädel. Eigentlich vermeidet sie, als die Niedliche aufzutreten.

In der Sendung singt sie den Wetterbericht. Andreas Christl begleitet sie auf der Gitarre und pfeift falsch dazu.

Für den Sender sind die beiden ein Ausweg aus der Erfolgs-Falle. Antenne Bayern hat allen Grund, an seinen besten Moderatoren festzuhalten: Stefan Meixner hat nachmittags mehr als 1,2 Millionen Hörer in der Stunde, Wolfgang Leikermoser morgens bis zu 1,8 Millionen. Weshalb die ihren Job schon sehr lange machen. Die Kehrseite ist: Stagnation und immer wieder der Verlust von selbst ausgebildeten Talenten an die Konkurrenz. Die Idee zu den jungen Wilden ist entstanden in einer Projektgruppe, in der die Mitarbeiter ohne die Führungskräfte überlegen, was man verbessern sollte. "Ich habe danach verstanden", sagt Valerie Weber, "wir brauchen eine Sendung, wo junge Leute sich ausprobieren können." Auf eines hat sich die Programmchefin jedoch festgelegt: "Die können das natürlich nicht ewig machen." Irgendwann werden Kristina Hartmann und Andreas Kristl zu gut aufeinander eingespielt sein. Und außerdem zu alt und unwild.

Im Moment aber ist es so: Ihre Moderation ist lakonisch, ihr Witz nicht brachial. Das ist beachtlich in diesem Job: die eigene Eitelkeit im Zaum zu halten.

Die Verleihung des Deutschen Radiopreises wird am Donnerstag von 20 Uhr an von 61 Radiosendern live übertragen: www.deutscher-radiopreis.de