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Nina Kunzendorf im Gespräch:Scientology - eine "faschistoide Welt"

Schauspielerin Nina Kunzendorf über Persönlichkeitstests, perfide Scientology-Regeln und ihre TV-Rolle als Sekten-Angehörige.

Schauspielerin Nina Kunzendorf über Ihre Rolle als Ethikoffizierin der Scientology-Sekte in dem ARD-Film Bis nichts mehr bleibt und die perfiden Strategien der Sekte.

sueddeutsche.de: In Bis nichts mehr bleibt, einem Film über Scientology, spielen Sie eine sogenannte Ethikoffizierin der dubiosen Organisation. Sind Sie persönlich schon von Scientologen angesprochen worden?

Nina Kunzendorf: Als ich in den neunziger Jahren an der Hamburger Schauspielschule studiert habe, standen die da immer herum und haben Zettel verteilt. Aber ich habe denen das Papier wieder in die Hand gedrückt. Ich wusste nur, dass man mit denen möglichst nichts zu tun haben sollte. Wie perfide das im Detail ist und was für eine Dimension das hat, hab ich erst bei der Vorbereitung auf diesen Film erfahren.

sueddeutsche.de: Inwieweit haben Sie sich in der Vorbereitung für Ihre Rolle mit Scientology beschäftigt?

Kunzendorf: Der Kern der beteiligten Schauspieler hatte eine Art Coachingwochenende mit einem Scientologieaussteiger. Der hat uns sozusagen in die Theorie und Praxis von Scientologie schnuppern lassen. Für mich und Felix Klare ...

sueddeutsche.de: ... der im Film als Frank Reiners der Scientology-Sekte beitritt ...

Kunzendorf: ... gab es Gespräche mit Experten und Aussteigern. Da sitzen dann Leute vor einem, die teilweise schon lange Jahre weg sind von Scientology - und denen man das Trauma immer noch ansieht.

sueddeutsche.de: Die im Film ausgebreiteten Fakten sind über jeden Zweifel erhaben?

Kunzendorf: Es ist bis ins Detail recherchiert - und leider wahr. Der Film ist auch abgesegnet von Leuten, die es wissen müssen. Also von Aussteigern und von Experten.

sueddeutsche.de: Der Film schildert ja keinen identischen Fall, sondern ist eine Fiktion, die auf recherchierten Fakten beruht. Ist das die richtige Art damit umzugehen?

Kunzendorf: Sicherlich kommt man so am ehesten an die Menschen heran. Wer den Film anschaut, der geht hinterher sicher erst mal nicht zum Persönlichkeitstest der Scientologen.