Newsweek-Aktion zu muslimischen ProtestenVon wegen Wut

Mit einem Titelbild zu muslimischer Wut wollte "Newsweek" Auflage gewinnen. Und auf Twitter sollten User eigene Erfahrungen mitteilen. Aber die Mission ist gescheitert - und das Einzige, was für das US-Magazin dabei rausspringt, ist Spott.

Dirk von Gehlen

Dichtes Gedränge, wütend aufgerissene Münder und im Vordergrund ein bärtiger Mann, der bedrohlich auf den Leser zudrängt. Darüber die Cover-Zeile "Wut der Muslime". Das Magazin Newsweek zeigt in dieser Woche auf dem Titel ein aggressives, gewaltbereites Bild vom Islam - wohlkalkuliert, wie Kritiker schreiben.

Mit der Titelgeschichte "Muslimische Wut" hoffte  Newsweek , Auflage zu generieren.
Mit der Titelgeschichte "Muslimische Wut" hoffte Newsweek, Auflage zu generieren. AFP

Das Magazin, dem es auch schon mal besser ging, will die tobende Auseinandersetzung um den umstrittenen Mohammed-Film offenbar nutzen, um Auflage zu machen.

Dabei hofften die Newsweek-Macher auch auf das Netz. Unter dem Hashtag genannten Schlagwort "Wut der Muslime" ( #muslimrage) forderten sie die Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter zur Debatte auf.

Doch das Netz enttäuschte die auf Ressentiments hoffenden Magazin-Macher: Junge Muslime aus allen Teilen der Welt kaperten den von Newsweek erdachten Hashtag und posteten statt Religions- und Kampf-Parolen eine satirische Antwort auf die "Wut der Muslime". Eine junge Frau, die auf ihrem Profilbild Kopftuch trägt, schreibt beispielsweise: "Ich habe heute so eine tolle Frisur; und keiner bemerkt es." Dahinter - wie auf dem Cover - das Schlagwort "Wut der Muslime".

Im Netz, so heißt es oft und nicht selten auch zu Recht, findet man vor allem Unreflektiertes. Bei der Hashtag-Aktion haben die Twitter-Nutzer nun aber erkennbar mehr Besonnenheit gezeigt als zuvor die Newsweek-Redaktion.

© SZ vom 19.09.2012 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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