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Newsletter:"Er ist eine Herzensangelegenheit"

Sham Jaff

Sham Jaff schreibt seit 2014 einen wöchentlichen Newsletter.

(Foto: Yasmine Asha)

Newsletter boomen derzeit wie wenige journalistische Formate. Sham Jaff schreibt seit 2014 einen wöchentlichen Newsletter - sieht den Hype aber nicht immer positiv.

Interview von Francesca Polistina

Sham Jaff ist Newsletter-Schreiberin der ersten Stunde. Ihren wöchentlichen What happened last week schreibt sie schon seit 2014, einer Zeit also, als Newsletter noch nicht boomten und hauptsächlich zu Werbezwecken verwendet wurden. Die freie Journalistin und Politikwissenschaftlerin aus Berlin, 31, fasst darin die wichtigsten Nachrichten der Welt zusammen, von ihr sortiert und in klaren, einfachen Worten erklärt. Der Newsletter erscheint in englischer Sprache, mittlerweile 14 000 Abonnenten in mehr als 120 Ländern bekommen ihn. Er ist kostenlos, und kostenlos soll er auch bleiben.

SZ: Frau Jaff, gerade sieht es so aus, als sei im Journalismus der Moment der Newsletter gekommen. Wie war es, als Sie angefangen haben?

Sham Jaff: Damals waren journalistische Newsletter nicht verbreitet, zumindest nicht in Deutschland. Das hat sich geändert, Newsletter sind gerade eine Modeerscheinung. Man hört viele sagen: Ich starte mal einen Newsletter, wie man auch hört: Ich starte mal einen Podcast. Viele Medienschaffende nutzen diese Formate, um sich in der Branche zu etablieren.

Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Was wird davon bleiben?

Newsletter, die es schaffen, mit den Leserinnen und Lesern einen direkten Draht zu haben und Vertrauen aufzubauen.

Was bieten Newsletter, was andere Formate nicht bieten?

Die E-Mail klingt manchmal altmodisch, aber sie ist immer noch das beste Instrument, um lange Texte und Absätze zu schreiben, Webseiten zu verlinken und auf lästige Werbung zu verzichten. Die sozialen Medien entwickeln sich rasant, heute zum Beispiel sehen wir, dass alle von Clubhouse und Tiktok reden, davor lagen Facebook und Snapchat im Trend. Hätte ich auf den sozialen Medien angefangen, wäre es schwierig gewesen, bei jedem Plattformwechsel meine Inhalte und meine Leserschaft immer mitzunehmen. Mein Newsletter hingegen hat sich seit sieben Jahren kaum geändert.

Plattformen wie Substack versuchen gerade, mit Newslettern Geld zu machen. Wie sehen Sie das?

Ich finde es wunderbar für Newsletter, dass man über solche Plattformen Inhalte schnell monetisieren kann. Ich hege allerdings den vorsichtigen Zweifel, dass es zu einer Newsletter-Überflutung kommen könnte und wir auf einmal viel zu viele Newsletter im Postfach haben. Genau aus dem gegenteiligen Grund habe ich meinen Newsletter gestartet: um in der Nachrichtenflut Inhalte auszuwählen und einzuordnen.

Haben Sie vor, Ihren Newsletter kostenpflichtig zu machen?

Nein, für mich ist dieser Newsletter eine Herzensangelegenheit, deshalb soll er allen zugänglich sein. Auch denjenigen, die wenig Geld haben, wie Studierenden.

Wie können Sie Ihren Newsletter überhaupt finanzieren?

Auf der Webseite des Newsletters gibt es einen Spenden-Button. Die Spendenbereitschaft ist da, auch wenn sie nicht konstant ist. Es gibt Menschen, die einmalig spenden, und andere, die es regelmäßig tun. Für mich ist das ein gut bezahlter Nebenjob.

Wie viel Zeit investieren Sie?

Den Newsletter schreibe ich in maximal fünf Stunden, dazu kommt die Recherchearbeit.

© SZ/hy
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