Süddeutsche Zeitung

"News of the World":Neue Festnahmen im Abhörskandal

Der Skandal um rücksichtslose Methoden von Boulevardjournalisten des Murdoch-Imperiums hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Nun sind in Großbritannien sechs weitere Reporter verhaftet worden - alle sollen zur fraglichen Zeit für "News of the World" gearbeitet haben.

Im britischen Medienskandal um abgehörte Handy-Mailboxen sind sechs weitere Reporter festgenommen worden. Bei den drei Männern und drei Frauen handele es sich teils um ehemalige, teils um noch aktive Journalisten. Das teilte Scotland Yard mit.

Zur fraglichen Zeit in den Jahren 2005 und 2006 hätten sie allesamt für die inzwischen eingestellte Boulevardzeitung News of the World des Medienkonzerns von Rupert Murdoch gearbeitet.

Die Verdächtigen sind zwischen 33 und 46 Jahre alt, und wurden alle bis auf einen in London verhaftet. Offenbar handelt es sich bei allen um die erste Verhaftung im Zusammenhang mit dem Telefonhacking-Skandal. Die mutmaßlichen Opfer der Abhöraktionen, die nun untersucht würden, seien bisher noch nicht informiert worden, teilte Scotland Yard mit.

Wie die britische Zeitung Guardian in ihrer Onlineausgabe berichtet, arbeiten zwei der sechs Festgenommen derzeit für das Boulevardblatt Sun. Der Guardian zitiert aus einer Mail, die aus der Chefetage der Sun an die Mitarbeiter des Boulevardblatts verschickt worden sei. Darin sei von einer "schweren Last" die Rede, die die Festnahmen darstellten "in der täglichen Herausforderung, Großbritanniens beliebteste Zeitung herzustellen".

Wie seit 2011 nach und nach bekannt wurde, hatten Reporter der Zeitung News of the World über geraume Zeit illegal die Mailboxen Hunderter Prominenter sowie von Verbrechensopfern und Hinterbliebenen angezapft. Die Affäre hat in Großbritannien neben einer Reihe von Festnahmen erhebliche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Irritationen ausgelöst. Ende November war ein Untersuchungsbericht der sogenannten Leveson-Kommission vorgestellt worden.

Laut BBC wurden im Rahmen der "Operation Weeting", die seit Anfang 2011 im Zusammenhang mit dem Telefonhacking läuft, mittlerweile 32 Festnahmen getätigt. Seither seien 15 Anklagen erfolgt, gegen vier Personen habe man die Ermittlungen wieder eingestellt.

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