Abhör-Affäre bei "News of the World":Ekelerregende Recherche-Methoden

Murdochs Notbremse wird die Wucht des Skandal kaum bremsen können. Zu groß ist das Entsetzen der Briten über die ekelerregenden Recherche-Methoden des Blattes. Die konservativ-liberale Regierung in London wird eine offizielle Untersuchung starten. Im Strudel der Affäre könnte selbst die grundsätzlich von der Regierung genehmigte Übernahme von BSkyB platzen.

Murdoch will den Bezahlsender, an dem er bislang nur 39 Prozent hält, für umgerechnet etwa zehn Milliarden Euro vollständig übernehmen. Er hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Regierung von dem Geschäft zu überzeugen. Der liberale Wirtschaftsminister Vince Cable hatte sich zwar dagegen ausgesprochen. Doch vor kurzem hat ihm Premier Cameron diesen brisanten Fall entzogen und an Kulturminister Jeremy Hunt übertragen. Der konservative Politiker gilt als Murdoch-freundlich. "Hunt wollte die Übernahme eigentlich durchwinken", heißt es in London.

Doch ist es kaum noch wahrscheinlich, dass Murdoch vor Abschluss der Untersuchung die Zustimmung für den Kauf bekommt, wie es in der Regierung heißt. Ohnehin meinen laut Umfragen 60 Prozent der Briten, der in Australien geborene US-Medienunternehmer sei zu mächtig.

Experten gehen davon aus, dass der Konzern die Sonntagslücke im Sortiment mit einer siebten Ausgabe der Sun schließen könnte; wie der Guardian berichtet, wurde vor zwei Tagen die Internetadresse thesunonsunday.co.uk registriert. Die News of the World war die erste Zeitung, die Murdoch in Großbritannien erwarb - im Jahr 1968.

Damals verkaufte der Sonntagstitel durchschnittlich 6,6 Millionen Exemplare, bis zuletzt galt er als umsatzstärkstes Blatt im Konzern. Die Werbeerlöse halfen Murdoch, sein internationales Medienimperium aufzubauen: etwa 175 Zeitungen und Magazine, Fernsehkanäle wie der umstrittene US-Sender Fox, aber auch der deutsche Bezahl-TV-Sender Sky Deutschland, sowie Buchverlage, Filmproduktionsfirmen und Internetplattformen.

© SZ vom 08.07.2011/mikö
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