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New York Times:Amerikas Waffengesetze - "ein moralisches Verbrechen und eine nationale Schande"

YOUNGSTER TAKES AIM AT NRA CONVENTION TARGET RANGE

Potentiell bedrohlich: In den USA lernen schon die Kleinsten den Umgang mit Schusswaffen.

(Foto: REUTERS)
  • Die New York Times veröffentlicht einen Leitartikel auf Seite eins - zum ersten Mal seit 1920.
  • Darin fordert die Zeitung eine Verschärfung der Waffengesetze.
  • Außerdem prangert sie führende Politiker an, die nur für die Opfer beteten, anstatt zu handeln.

"New York Times" kritisiert führende Politiker

Das Massaker von San Bernardino ist ein Schock für die USA. Auch führende Republikaner zeigten sich bestürzt, reagierten mit Gedenken und Gebeten für Opfer und Angehörige. Doch eine Verschärfung der laxen US-Waffengesetze halten sie nicht für notwendig, um solchen Taten vorzubeugen. Ganz im Gegenteil: Noch mehr Waffen sollen das Land sicherer machen (hier mehr dazu).

Nun reagiert die New York Times darauf mit einem scharfen Meinungsartikel. Zum ersten Mal seit fast 100 Jahren veröffentlicht das liberale Blatt wieder einen Leitartikel auf ihrer Titelseite (online ist er hier zu finden). Die Chefredaktion der NYT fordert darin eine Verschärfung der US-Waffengesetze - die "Waffen-Epidemie" in Amerika müsse beendet werden.

Es sei ein "moralisches Verbrechen und eine nationale Schande", dass Zivilisten legal Waffen kaufen dürften, die dazu gemacht seien, "Menschen mit brutaler Geschwindigkeit und Effizienz umzubringen", kritisiert das Blatt. Es müsse verboten werden, dass Zivilisten bestimmte Waffen, wie etwa die Sturmgewehre, die in Kalifornien zum Einsatz gekommen seien, erwerben könnten.

Explizit kritisiert die Zeitung, dass gewählte Politiker, deren Job es sei, die Sicherheit des Landes zu bewahren, lieber die Interessen einer Industrie beförderten, "die von der ungebremsten Verteilung von immer zerstörerischeren Schusswaffen profitiert".

Führende Politiker beteten für die Opfer von Waffengewalt, nur um anschließend selbst geringste Einschränkungen für Massentötungswaffen abzulehnen. Mit Debatten über das Wort Terrorismus lenkten sie vom eigentlichen Thema ab. Dabei sei klar: "Diese Amokläufe sind alle, auf ihre eigene Weise, Akte des Terrors."

Die NYT wirft diesen Politikern vor, einen Waffenmarkt für potentielle Mörder zu schaffen - und den Wählern, diese Politiker nichtsdestrotz zu wählen. Doch es sei Zeit, die Zahl der Schusswaffen drastisch zu begrenzen. Bestimmte Waffen- und Munitionsarten - auch solche, die jetzt das Paar in Kalifornien genutzt hatte - müssten für Zivilisten nicht mehr verfügbar sein.

Zuletzt hatte die New York Times im Jahr 1920 auf Seite eins einen Leitartikel veröffentlicht. Damals äußerte sie sich bestürzt über die Nominierung von Warren G. Harding zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Harding gewann noch im selben Jahr die Wahl. Und auch bei diesem Leitartikel ist natürlich fraglich, ob die New York Times mehr erreicht, als nur ihre ohnehin schon überzeugten Leser in ihrer Ablehnung der Waffengesetze zu bestärken.

Obama scheiterte mit seinen Plänen

Führende Demokraten setzen sich schon länger für eine Verschärfung der US-Waffengesetze ein. Präsident Barack Obama ist bislang am vehementen Widerstand vor allem republikanischer US-Senatoren gescheitert. Er wie auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderten nach dem Massaker in San Bernardino erneut strengere Waffengesetze.

Das Ehepaar Syed Farook und Tashfeen Mali hatte am Mittwoch schwer bewaffnet in einer Sozialeinrichtung im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen getötet und zahlreiche verletzt. Bei einem Schusswechsel mit der Polizei kamen die beiden Täter ums Leben. Das FBI geht mittlerweile von einem Terrorakt aus.

© SZ.de/gal

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