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Neues Wirtschaftsmagazin:Wird schon

Ada Magazin 10/18  - (max. Größe: 1 spaltig!)

Das neue Wirtschaftsmagazin ada soll vierteljährlich erscheinen - Startauflage 100 000 Exemplare, die teilweise der Wirtschaftswoche beiliegen. 124 Seiten kosten 8,90 Euro.

(Foto: Ada)

"Heute das Morgen verstehen": "ada" verspricht Glück im digitalen Wandel - und mehr Wohlstand dank künstlicher Intelligenz.

Es ist ja oft von Ängsten und mangelndem Vertrauen die Rede. Man denkt dabei an Politiker - aber zunehmend auch an Roboter. Zumindest bei letzterem ist seit vergangener Woche Abhilfe auf dem Markt. "Eine Anleitung zum Glücklichsein im technischen Wandel" nennt die Publizistin Miriam Meckel das neue Wirtschaftsmagazin ada. Unter dem Motto "Heute das Morgen verstehen" will Meckel Vertrauen erwecken. Der Anspruch sei es, "alle, die die digitale Transformation von Leben und Wirtschaft als Chance begreifen, ein Stück weit auf dem Weg in die Zukunft zu begleiten".

An Ambitionen fehlt es den Machern von ada jedenfalls nicht. Das haben sie gemeinsam mit all jenen, die sich sicher sind, dass Künstliche Intelligenz (KI) genau das ist, was die Menschen künftig brauchen. Diesen Begeisterten dürfte das Cover der ersten Ausgabe die Herzen höher schlagen lassen. Der Spatz von Paris als Lara Croft und der Minotaurus aus der griechischen Mythologie als Maschine, im Hintergrund noch ein paar irdische Sternchen auf blassblauem Grund - so sieht die Zukunft aus. Wer sich eher am Anfang des offenbar unvermeidlichen Weges in die digitale Transformation befindet, fragt sich beklommen: Und wo bleibt der Mensch?

Im Innern des Heftes kommt er vor. Auf Seite 3 trifft der Leser auf Meckel. KI, schreibt sie, werde "zum Rorschachtest der Menschheit". Nun mag es Zeitgenossen geben, die sowieso wissen, dass ada mit vollem Namen Augusta Ada King heißt, im Jahr 1815 zur Welt gekommen ist und als erste weibliche Programmiererin gilt. Und dass der Rorschachtest ein psychodiagnostisches Testverfahren ist, das später in die Freud'schen Ansätze der Psychoanalyse einfloss. Für diejenigen, die das erst nachschlagen müssen, ist es ein bisschen so, als gehe man jetzt auf eine Erkundungsreise.

Ja, es gibt einiges zu entdecken auf den 124 Seiten. Etwa zur Verhütung. Nein, nicht beim virtuellen Sex mit KI, sondern beim irdischen Vergnügen. Forscher haben ein Gel entwickelt, das Männer temporär unfruchtbar macht. Was bringt das? Einen Marktanteil am 33-Milliarden-Dollar-Markt für Verhütungsmittel. Das "größte Versprechen" aber ist laut ada ein anderes: "Gleichberechtigung im Heterosexleben".

Obwohl betont wird, man wisse nicht, wo man mit KI in zehn Jahren sein werde, gibt es Zahlen über den enormen wirtschaftlichen Nutzen. In der Titelgeschichte über die Aufholjagd Europas bei KI schätzen Berater für Deutschland 430 Milliarden Euro mehr Wohlstand bis 2030; global sollen 1,2 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen verkauft werden, "weil smarte Software neue Möglichkeiten der Vernetzung schafft, weil Maschinen dem Mensch besser assistieren, weil Branchengrenzen verschwinden". Klar, da will man nicht den Anschluss verlieren. Andererseits: Wie passt diese Schnelle zur Demokratie, die von Nachdenken und Kompromissen lebt? Folgt der Politiker als Maschine, als KI?

Eine Antwort darauf findet sich nicht, aber es soll ja vierteljährlich eine neue Ausgabe geben. Die hoffentlich an allen Kiosken erhältlich ist. In Berlins Mitte kannte man ada entweder gar nicht oder sie war ausverkauft. Erst beim vierten Kiosk lag sie im Regal. Aber weil die Zukunft ohnehin digital ist, kann sich der Leser ja gleich ins Internet begeben. Das Glücksversprechen hat die erste Ausgabe nun noch nicht eingelöst. Aber gelernt hat man einiges. Nicht nur, wie schwer der digitale Wandel zu bebildern ist.