Neues "Tatort"-Team in Erfurt Inhalt gewinnt

Erst eine öffentliche Ausschreibung, dann das jüngste Team der Sendungsgeschichte und ein Produzent, der bislang vor allem für Schmonzetten à la Rosamunde Pilcher sorgte: Der neue MDR-"Tatort" bietet viele Überraschungen, die vor allem inhaltsgetrieben sind. Trotzdem gibt es einen echten Shooting-Star unter den Ermittlern.

Von Katharina Riehl

Es war ein ungewöhnlicher Schritt, nicht nur für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Ende April veröffentlichte der Sender einen Brief von Fernsehspielchefin Jana Brandt. Er begann mit "Sehr geehrte Produzentin, sehr geehrter Produzent", und Brandt bat darum, Vorschläge für einen neuen, in Thüringen spielenden Tatort einzureichen - "konzeptionelle Überlegungen, inklusive Vorschläge für Autoren, Cast und Regie". Es stehe das für diese Art Film "übliche Budget zur Verfügung".

Benjamin Kramme (v.l.) als Kriminaloberkommissar Maik Schaffert, Friedrich Mücke als Kriminalhauptkommissar Henry Funck, Alina Levshin als Praktikantin Aline Grewel.

(Foto: dapd)

Üblich ist es nicht, dass ein Tatort öffentlich ausgeschrieben und nicht im direkten Austausch zwischen dem Produzenten und einem Redakteur erdacht wird. Der MDR wollte seine neue Transparenz betonen, Intendantin Karola Wille ist das wichtig nach all den Skandalen, die den Sender in den vergangenen Jahren in Verruf brachten. Bei diesem Prestigeprojekt des MDR, der bislang meist drei Tatorte jährlich mit Martin Wuttke und Simone Thomalla aus Leipzig zeigt, sollte alles offen zugehen.

Es haben sich dann 86 Produktionsfirmen mit 105 Konzepten beim MDR gemeldet, was auch zeigt, wie wichtig die Reihe mit einem durchschnittlichen Budget von um die 1,3 Millionen Euro für die Jahresplanung deutscher Produzenten ist. Geprüft hat die Vorschläge "eine Jury aus im Kriminalfilm erfahrenen Fernsehfilm-Redakteuren des MDR, Mitarbeitern der Herstellungsleitung, sowie externen Lektoren". Sechs Projekte kamen in eine Endauswahl und wurden von den Unternehmen präsentiert.

Den Zuschlag hat nun die FFP New Media aus Köln erhalten. Das ist eine Überraschung. Die FFP New Media hat in den zurückliegenden Jahren das romantische Gegenangebot zum Tatort für den Sonntagabend entwickelt: Rosamunde Pilcher, Barbara Wood, solche Stoffe halt. Auch für die im Herzschmerz erfahrene ARD-Tochter Degeto hat FFP New Media produziert.

Noch eine Verjüngung

Das Konzept zum Erfurter Tatort stammt von Autor und Regisseur Tom Bohn, der zahlreiche Episoden der Reihe mit Robert Atzorn und Ulrike Folkerts schrieb und inszenierte. Während bei neuen Tatort-Besetzungen zuletzt vor allem die Besetzung das Konzept war (Til Schweiger, Wotan Wilke Möhring), ist Bohns Vorschlag inhaltsgetrieben: Es ist das jüngste Ermittlerteam in der Geschichte des Tatorts. Fernsehspielchefin Brandt sagt, der Entwurf sei "insgesamt das stimmigste" gewesen - habe vor allem inhaltlich, aber auch wirtschaftlich überzeugt.

Trotzdem hat FFP mit Alina Levshin, 1984 in der Ukraine geboren, auch einen echten Shooting Star unter den Ermittlern: Levshin wurde mit Dominik Grafs Serie Im Angesicht des Verbrechens bekannt, für den Film Die Kriegerin gewann sie gerade den Deutschen Filmpreis. Neben Levshin spielen Friedrich Mücke, Jahrgang 1981, der im Ensemble des Münchner Volkstheaters war und 2010 in Friendship! mit Matthias Schweighöfer seine erste große Kinorolle hatte, und Benjamin Kramme, 1982 geboren, bislang vor allem in Kurzfilmen oder Episodenrollen zu sehen.

Die Ausschreibung des MDR bezog sich auf zwei Projekte, die in den kommenden zwei Jahren produziert werden. Mehrausgaben für den Sender soll der neue Krimi nicht bedeuten - Simone Thomalla und Martin Wuttke ermitteln künftig zweimal im Jahr. Eine weitere Verjüngung des MDR-Krimiangebots steht derweil noch aus: Nachdem Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler in Rente geschickt wurden, sucht man nach Vorschlägen für den Polizeiruf aus Magdeburg.

Und dann auch noch der Oberzyniker

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