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Neues Pro-Sieben-Format:"Kiss Bang Love" im TV - Mann im Mund

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KissBangLove: Eine Frau küsst viele Männer, mit verbundenen Augen, um den Richtigen zu erschmecken.

(Foto: ProSieben/Bene Müller/Stefan Hobmaier)

In der Datingshow wird gleich mit sehr viel Zunge geknutscht. Begründet wird das mit Erkenntnissen aus der Forschung: Der Mensch könne sein Gegenüber allein durch einen Kuss vollständig erfassen.

Eines muss man Pro Sieben lassen: In unnachgiebiger Weise demonstriert der Sender seinen Zuschauern, dass Erwachsenwerden weder realistisch noch notwendig ist. Das Leben bleibt doch ewige Pubertät - und ewige Pubertät bleibt das Programm.

Damit zum adoleszenten Thema von Kiss Bang Love. Die neue Dating-Show dreht sich nämlich einzig und allein um den ersten Kuss. Begründet wird das eingangs mit Erkenntnissen aus der Forschung. Die Lippen seien hundertmal empfindlicher als die Fingerspitzen, der Mensch könne sein Gegenüber allein durch einen Kuss und die dabei in die Nase kriechenden Gerüche vollständig erfassen. Daran möge denken, wer seinen Schatz morgens zum Aufwachen im Bett küsst.

Wissenschaft als Begründung für Anzüglichkeiten

Ja, es gibt solche Erkenntnisse, allerdings beziehen sie sich vornehmlich auf andere Tiere als den Menschen und deshalb nicht auf richtige Küsse. Von Menschen weiß man zu berichten, dass gutes Küssen keinesfalls abträglich ist. Wer nicht attraktiv wirkt und auch sonst wenig zu bieten hat, kann aber noch so gut küssen. Es kommt bekanntlich aufs Ganze an.

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Das Konzept bleibt deshalb so kindisch, wie es klingt. Eine Frau küsst viele Männer, um den Richtigen zu erschmecken. Dass so etwas möglich ist, davon waren natürlich die meisten weiblichen Wesen einmal überzeugt - zuerst im Kindergarten, zuletzt mit zirka 13. Danach stellten sie fest, dass gute Küsser nicht zwingend nett, interessant und beziehungstauglich sind.

Das Konzept ist schlabberig

In Kiss Bang Love knutscht eine Frau auf der Suche nach dem Traumprinzen trotzdem zwölf wildfremde Männer ab. Mit verbundenen Augen. Die Auswahl haben zwei beste Freundinnen übernommen, die das Geschlabber - es wird, überdeutlich sichtbar, mit Zunge geküsst - schmachtend, juchzend und mit viel Freude am Ekel live verfolgen.

Die Frau wählt dann fünf Topküsser aus dem Dutzend für eine zweite Knutschrunde aus. Jetzt darf sie die Männer sogar angucken und mit ihnen ein paar Worte wechseln. Wieder werden Sieger gewählt.

Der beste Küsser aus der ersten Runde fliegt raus, vermutlich, weil er lispelt und aus Wuppertal kommt. Die letzten zwei dürfen eine Liebesnacht mit der Frau verbringen. Nacheinander. Ein tolles Gefühl muss das für die Auserwählten sein.

Mit Kerzenschein und Rosenblättern wird hier nicht gearbeitet

Es gibt nicht eine annähernd romantische Sekunde in dieser Show. Vielleicht liegt das an der selbstbewusst wirkenden Protagonistin der ersten Folge, die kontrolliert durchmarschiert durch ihren Kussmarathon, blitzschnell Urteile über verunsicherte Männer fällt, im Liebesnachtfinale versiert die Betten wechselt und am Ende so absehbar entscheidet, dass man ihr die ganze Nummer wirklich nicht mehr abnimmt.

Vielleicht liegt es aber auch an Moderatorin Annemarie Carpendale, bekannt aus Red!, dem Magazin für Stars, Lifestyle und noch irgendwas, die hier ganz übermütterlich auftritt - und permanent von einem "besonderen Moment" spricht, wo gar keiner ist. Der Kandidat jedenfalls, der als einziger echten Charme versprüht, scheitert im Finale. Dabei konnte er angeblich gut küssen.

Kiss Bang Love, ProSieben, 22.30 Uhr.

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© SZ vom 11.02.2016/roho/luc
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