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Neues Natur-Magazin "Walden":Antwort auf postindustrielle Krisen

Die allgemeine Sehnsucht nach Entschleunigung und Rückbesinnung auf das Wesentliche, nach dem Natur-Erhabenen in durchgetaktet asphaltierten Zeiten, die eine Zeitschrift wie Walden hervorbringt, ist den Fliehkräften der verstädterten Moderne und ihren Entfremdungsbiografien geschuldet.

War das Biedermeier und seine Rückzugsstrategien privatistischer Verinnerlichung noch die Antwort auf die anbrechende Industrialisierung - so ist Walden die Antwort auf die postindustriellen Krisen zwischen Identitätsverlust und strukturellen Verwerfungen.

Nur flüchten wir uns jetzt nicht mehr ins Innere, auf's Biedermeiersofa, sondern nach draußen. Auf den Berg. In den Wald. Das findet übrigens auch die damit groß gewordene Outdoor-Industrie sehr hübsch: die Sehnsucht nach dem großen Draußen.

Der Titel bezieht sich auf das Buch des Naturphilosophen Thoreau

Von diesem Freitag an bringt der Verlag Gruner + Jahr innerhalb der geschätzten Geo-Familie Walden (140 Seiten, 7,50 Euro) als Outdoor-Biedermeier-Update für Hipster zweimal im Jahr heraus.

Die nächste Ausgabe "folgt rechtzeitig zur Baumfäll- und Hüttenbausaison im Herbst". Walden ist ein Reservat für wilde Kerle mit Stil. Die Pressemitteilung lautet: "WALDEN zeigt, wie begeisternd und zeitgemäß kreativer Qualitätscontent sein kann." Natur als Qualitätscontent. Das ist ja so groß.

Zumindest die Innenstädte sind seit geraumer Zeit voll von jungen, bärtigen Männern in groben Karohemden und klobigen Schuhen, die sich gerne mit Hilfe eines Survival-Trainers in den Sümpfen der Everglades auf das Ende der Welt vorbereiten.

Zurück-zur-Natur-Überlebenskurse boomen auf eine Art, dass man sich fragt, wie man sie am besten überleben könnte. Natur ist in dem Maße präsent, wie sie uns tatsächlich abhanden kommt.

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