Neuer "Tatort"-Komissar: Stefan Gubser Besuch aus Miami

Bei manchen Schauspielern funktioniert das Gesicht wie eine verlässliche Marke. Gubser ist jemand, den jede Rolle verändert. Bei Sat 1 war er einst Eurocop und Doktor in der Kurklinik Rosenau. Im Kino hat man ihn zuletzt als kernigen Naturburschen auf der Alm mit Anna Loos bemerkt (Nur ein Sommer). Demnächst ist er neben Bruno Ganz und Marie Bäumer zu sehen, in der Verfilmung des sehr schweizerischen Romans von Thomas Hürlimann Der große Kater. Sie soll im Herbst in die deutschen Kinos kommen.

In seinem intensivsten und gewagtesten Film aber, dem hoch gelobten Drama Hello Goodbye, spielte Gubser 2007 einen krebskranken Vater, der seine Tochter eines Tages bittet, ihm an diesem Abend beim Sterben zu helfen. Er wollte den Film unbedingt, produzierte selbst, drehte in seinem eigenen Haus. "Wir haben nicht viele Zuschauer erreicht, aber die Reaktionen waren einfach unglaublich", sagt er. Und dass er lange darauf hätte warten können, dass ihm jemand so eine Rolle angeboten hätte, wenn er nicht selbst aktiv geworden wäre. Da habe er plötzlich gemerkt, Mensch, das geht ja.

Jetzt also Flückiger. Als neuer Leiter der Fachgruppe "Leib und Leben" trifft er in Luzern auch auf eine äußerst attraktive Austauschpolizistin aus Chicago - verkörpert von der Schauspielerin Sofia Milos aus der amerikanischen Serie CSI: Miami. Die Gastrolle ist natürlich ein kleiner Coup, den Milos Gubser spontan zusagte: Sie verbrachte ihre ersten Lebensjahre in der Schweiz, ihm fiel beim TV-Festival Rose d'Or in Montreux ihr Schweizerdeutsch auf - das die Zuschauer in Deutschland und Österreich nicht hören werden: dort läuft eine synchronisierte, hochdeutsche Tatort-Fassung.

Über seine eigenen Rollen will Gubser eigentlich nicht reden, sagt er. Er versuche eben, Flückiger sehr nah an sich ranzuholen und möglichst viel von seiner eigenen Persönlichkeit reinzupacken. "Natürlich kann man sagen, er ist ein Eigenbrötler, ein Kämpfer für Gerechtigkeit, jemand, der Rückgrat hat. Er macht auch Fehler und muss dafür geradestehen." Über das Privatleben des Kommissars aus Luzern wird man zunächst nicht viel erfahren. Der Moment dafür werde sicher noch kommen, sagt der Mann, der im Film Reto Flückiger ist, aber beim ersten Fall habe sich das Team bewusst dagegen entschieden: "Ich fand es reizvoll, das einfach mal pur zu machen."

Zwei Tatorte im Jahr bringt das SF künftig in die Reihe ein, und Luzern sei eben auch ein Ort, sagt Gubser, "der möglichst viel Schweiz bietet, der Vierwaldstättersee, die Stadt, die Berge - das war auch der Wunsch der ARD". Man wird also vermutlich auch Krimis mit Bergen und Banken sehen, gesellschaftlich breit angelegt, durchaus mit Schweizer Spezialitäten. Die Aufgabe besteht dann wahrscheinlich vor allem darin, kein Export-Fernsehen zu machen.

Was Stefan Gubser außerdem noch so tut, zeigt jedenfalls, dass er generell wenig Berührungsängste hat. Derzeit tourt er quasi als Impresario einer Art Theatertruppe durch Städte wie Landquart, Sursee, Liestal oder Glarus, mit dem Stück Rockerbuebe. Die Sache ist beinahe schon deshalb komödiantisch, weil die Darsteller der Handlung rund um eine gealterte Band selber alle alte Freunde sind: Laszlo I. Kish zum Beispiel war Gubsers Vorgänger als Schweizer Tatort-Kommissar. Mit Andrea Zogg stand Gubser schon als Schüler auf der Bühne und spielte Handkes Publikumsbeschimpfung. Im Luzerner Tatort ist Zogg jetzt der Vorgesetzte von Flückiger. Ihr erstes Theaterprojekt hieß dann auch Alte Freunde.

"Es musste kommerziell sein, ich wollte keine Subventionen, weil ich nicht wollte, dass mir irgendjemand dreinredet", sagt Gubser und gibt gern zu, dass es daher einfach um Unterhaltung geht, auch wegen des Publikums: "Ich dachte, wir kommen alle vier vom Film und sind in der Schweiz relativ bekannt." Gemerkt hat er, dass die Schweizer wegen so einer Art Berühmtheit noch lang nicht ins Theater laufen. "Daran", sagt er, "mussten wir richtig arbeiten."