Neuer "Tatort"-Komissar: Stefan Gubser Zwischen Banken und Bergen

Mit dem Schweizer "Tatort" soll so viel Eidgenössisches wie möglich ins deutsche Fernsehen zurückkommen. In seinem ersten Fall erhält Stefan Gubser allerdings Unterstützung von einer bekannten TV-Kriminalerin aus Miami.

Von Claudia Tieschky

Vielleicht stimmt es, dass Fernseh-Krimis in Wahrheit Gesellschaftserkundungen sind; also agiert die ARD wahrscheinlich klug, wenn sie von kommendem Jahr an auch wieder Fälle des Schweizer Fernsehens (SF) in der Tatort-Reihe zeigt, mit einem eigenen Kommissar in Luzern. Denn seit einer Weile kann man fast den Eindruck haben, dass die Deutschen kaum etwas mysteriöser finden als das kleine Nachbarland mit seinem Bankgeheimnis und dem burlesken Zoff mit Peer Steinbrück sowie dem Gaddafi-Clan. Trotzdem wandern gerade unheimlich viele Deutsche in die Schweiz ein. Das gegenseitige Interesse dürfte um einiges höher sein als 2001, als die Schweizer aus Tatort ausstiegen.

Das ist Stefan Gubser. Er ist Schauspieler, aber weil ihn Ferien am Meer langweilen, hat er inzwischen auch eine Produktionsfirma. Hier ist er zu sehen als Naturbursche in der Almromanze "Nur ein Sommer".

(Foto: ddp images)

Zwischen den TV-Ermittlern Klara Blum und Reto Flückiger jedenfalls hätte es vielleicht sogar eine deutsch-schweizerische Romanze geben können, ein Privatleben braucht ja inzwischen jeder Tatort-Kommissar. Bei den paar gemeinsamen Fällen am Bodensee hat sich jedenfalls gezeigt, dass bei Blum (Eva Mattes) und dem kernigen Einzelkämpfer Flückiger (Stefan Gubser) von der Schweizer Kantonspolizei Thurgau ein gewisser Gleichklang herrscht. Doch der Bodensee-Tatort ist nun mal nicht sentimental. Es endet also zwischen den beiden - unter einem Sternenhimmel - einfach so, wie es eben ist: Flückiger lässt sich nach Luzern versetzen. Er will noch einmal einen Neuanfang starten. Männer um die 50, man kennt das.

Während der Dreharbeiten zur Abschiedsfolge in Kreuzlingen knallt die Hitze auf die Hänge um den großen See, es ist einer dieser Tage, von denen das Tuckern der Boote in Erinnerung bleibt, Geruch von Holzstegen, Kinder mit Eis. Nichts ist jetzt ferner als die unterkühlte Atmosphäre, nach der es später im Fernsehen aussehen soll. Ein bisschen Gattaca für den Tatort. Gedreht wird bei der Koproduktion (SWR, SF, Maran Film) an diesem Tag in der Pädagogischen Hochschule Thurgau, einem kubisch gegliederten Bau, der jetzt umdekoriert ist zur "Schönheitsklinik Beaulac". Statisten in blauen Bademänteln und mit Inkognito-Sonnenbrillen sitzen im blendend blanken Ambiente. Gubser und Mattes müssen mehrmals durch eine automatische Schiebetür nach draußen treten. Jedesmal, wenn sie sich öffnet, kommt ein Schwall heiße Luft herein. Während sie warten, pflanzt Gubser der kleineren Mattes ein freundliches Bussi oben auf den Kopf.

Gubser, 53, hat auf seinen eignen Neustart als Tatort-Kommissar in Luzern lange hingewirkt. Er sei ein Getriebener, bekennt er in einer Drehpause. "Ich sitze nicht gerne rum und warte, je älter ich werde, desto extremer ist das geworden, früher konnte ich zwei Wochen Ferien am Meer machen, das kann ich heute nicht mehr, das langweilt mich zu Tode, ich gehe lieber zum Bergsteigen." Treppen nimmt er so energisch, dass man ihm hurtig hinterherhüpfen muss. Ein Netzwerker sei er, heißt es über ihn. Ja, bestätigt Gubser: "Ich habe dafür gekämpft, dass die Schweiz in dieses Format wieder einsteigt. Ich wollte immer Schweizer Tatort-Kommissar werden."

Bei der ersten, bereits abgedrehten Folge aus Luzern mit dem Titel Wunschdenken, firmierte Gubser nun zugleich als Koproduzent mit seiner Firma Tellfilm. Die Episode soll voraussichtlich Anfang 2011 in der ARD und im Schweizer Fernsehprogramm SF 1 laufen. Regie führte Markus Imboden (Mörder auf Amrum).