Neuer "Tatort" Freiburg Freiburger Kripo-Chef: "Harald Schmidt ist sehr geeignet für den Polizeidienst"

Ein Früher-mal-Schwabe in Baden - kann das gut gehen? Noch hat Harald Schmidt Zeit, den badischen Dialekt für seine Tatort-Rolle zu üben.

(Foto: dpa)

Peter Egetemaier erklärt, warum sich Harald Schmidt Ironie und Sarkasmus im "Tatort"-Einsatz verkneifen sollte. Und wieso der Dialekt zur Stolperfalle werden könnte.

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Aus "Dirty Harry" wird demnächst der hochanständige Gesetzeshüter Gernot Schöllhammer. Was erwartet Harald Schmidt in seiner Rolle als Tatort-Polizist in Freiburg? Peter Egetemaier muss es wissen, er ist Kripo-Chef in der Unistadt und damit die reale Entsprechung des fiktiven Kriminaloberrats. Den Anruf nimmt er auf dem Weg in die Dienststelle in der Straßenbahn entgegen - und entschuldigt sich erst einmal, weil er das Interview kurzfristig um eine halbe Stunde verschieben musste. "Wenn ich als Polizist eine Zusage mache, dann halte ich die in der Regel auch ein."

Herr Egetemaier, Sie sind es gewohnt, Menschen einzuschätzen. Wie geeignet ist Harald Schmidt für den Polizeidienst?

Peter Egetemaier: Sehr geeignet. Ich halte ihn für hochintelligent. Er ist kommunikativ, ja geradezu ein Virtuose im Sprachlichen. Und wenn er dann auch noch Teamfähigkeit mitbringt, ist er für den Job bestens präpariert.

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Das Sprachliche ist wichtig?

Ja, die Sprache ist eines unserer Einsatzmittel. Wir müssen mit den Menschen ins Gespräch kommen, aber auch Berichte schreiben. Ich bin nur gespannt, ob sich Harald Schmidt seine humorigen Spitzen verkneifen kann.

Glaubt man Fernsehkrimis, ist der deutsche Polizist zumindest unfreiwillig komisch.

Bei der Polizei ist relativ viel Humor erlaubt - allerdings nur in der internen Kommunikation. Nach außen ist für Ironie und Sarkasmus gar kein Platz, wir haben schließlich oft mit ernsten Sachverhalten zu tun. Das würde uns der Bürger übelnehmen. Und auch als Vorgesetzter darf man es nicht übertreiben: Wir können nicht erwarten, dass unsere Mitarbeiter alle unsere Scherze verstehen.

Freiburg ist laut Kriminalitätsstatistik nicht direkt ein Hort des Verbrechens. Auf was für Fälle muss sich das Freiburger Tatort-Team einstellen?

Im Schwarzwald passieren natürlich düstere, mystische Verbrechen. (lacht) Tatsächlich geht es bei uns nicht zu wie in einer Großstadt. Wir haben es viel mit Diebstählen zu tun, in einer Uni-Stadt wie Freiburg klassischerweise mit Fahrraddiebstählen. Aber ich denke, der Freiburger Tatort wird das klassische Verbrechens-Portfolio in Krimis aufbieten, also vor allem: Mord.

Stichwort Fahrrad. Fährt Kriminaloberrat Schöllhammer möglicherweise mit dem Rad zur Arbeit? Sie sitzen immerhin in der U-Bahn.

Eine Frage der Bequemlichkeit: Mit der Straßenbahn ist man oft schneller als mit dem Auto. Und finden Sie mal mit dem Dienstwagen einen Parkplatz! Natürlich ist Freiburg auch sehr umweltbewusst - aber ich fahre im Dienst nicht mit dem Fahrrad, und kann mir das auch bei Schmidt nicht vorstellen. Ich bin gespannt, welche Zugeständnisse er macht, auf jeden Fall wird er wie immer gut gekleidet sein.

So ein Tatort kann ja auch das öffentliche Bild der Polizei beeinflussen. Wenn Sie es sich aussuchen dürften: Soll das Freiburger Team eher klamaukig sein wie Thiel und Boerne aus Münster, düster wie die Berliner Rubin und Karow oder fertig mit der Welt wie der Dortmunder Faber?

Ich persönlich würde mir einen Mix aus professionell und humorvoll wünschen, das passt gut zum Südbadischen. Wir als Polizisten sind umso erfolgreicher, je besser wir uns auf die Menschen einstellen, mit denen wir zu tun haben, Täter, Opfer und Zeugen. Faber mag ja zum Angucken ganz amüsant sein, aber ein so verschrobener Typ wäre im echten Polizeidienst nie in diese Position gekommen. So einer wird in unserer Organisation nicht glücklich.

Lassen Sie uns über Dialekte sprechen. Schmidt ist im schwäbischen Nürtingen aufgewachsen und soll im Tatort Badisch sprechen. Werden ihn die badischen Kriminellen ernst nehmen?

Das wird sehr schwierig werden. Der Dialekt hilft natürlich, Zugang zum Gegenüber zu finden. Wir haben hier kaum Kollegen, die komplett Hochdeutsch sprechen. Es war zu lesen, dass das Freiburger-Tatort-Ensemble schwäbische Wurzeln hat, also nicht nur Schmidt - das hat viele in der Region nicht so sehr gefreut. Es gibt ja bekanntermaßen eine gewachsene Animosität zwischen Badenern und Schwaben. Schmidt wird sich sehr anstrengen müssen, um sich die Anerkennung der Freiburger zu verdienen.

Was braucht es noch außer Badisch, um in Freiburg als Polizist zu bestehen?

Gelassenheit. Viele Bürgerinnen und Bürger, aber auch Politiker haben eine liberale Einstellung und sehen manche Dinge anders als die Polizei. Aber grundsätzlich beglückwünsche ich Harald Schmidt zum Privileg, hier leben und arbeiten zu dürfen. Zumindest im Film.

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