Neuer Streamingdienst Zum Schnarchen

Modernes Fernsehen ist ganz schön aufregend - wie soll man da sanft einschlummern? Die Seite "Napflix" will helfen und Zuschauer müde machen - mit Pandavideos, ellenlangen Schachpartien und länglichen Operninszenierungen.

Von Benedikt Frank

Das goldene Zeitalter des Fernsehens tötet den gesunden Schlaf. Es gibt einfach zu viele Produktionen, die ein Serienjunkie sehen muss. Fürchterlich aufregend sind diese zumeist, es geht oft blutig zu. Eine nervenaufreibende Angelegenheit. Das Sandmännchen kämpft gegen Streamingdienste, die gleich die ganze Staffel einer Serie am Erscheinungstag veröffentlichen.

Die serienmäßige Bettflucht will nun ein neues TV-Hypnotikum bekämpfen: Napflix nennt sich das Angebot, vom englischen Wort für Nickerchen hergeleitet. Zu sehen gibt es dort etwa Dokus über Pandas und Tropenstrände, das knapp vierstündige Finale der Schachweltmeisterschaft 2013, eine traditionelle lateinische Messe, längliche Opern- und Ballettinszenierungen, Lektionen in Quantentheorie oder das Testbild mit Sinuston, ein Ruhepol, den es heute im Fernsehen so nicht mehr gibt.

Ausgedacht haben sich den Dienst zwei spanische Siesta-Experten. Napflix ist kein kommerzieller Abodienst, sondern nur ein Witz auf den phonetisch ähnlichen Streamingriesen Netflix. Die Macher produzieren auch keine eigenen Inhalte, sondern sammeln nur spektakulär langweilige Youtube-Videos.

Napflix ist freilich nur Parodie, zelebriert aber auch eine sträflich unterschätzte Funktion des Fernsehens: Es kann ein wirksames Narkosemittel sein, das zudem noch sehr viel gesünder ist, als den Tag routinemäßig mit Alkohol oder Tabletten zu beschließen. Einen neuen Streamingdienst bräuchte es hierzulande dafür allerdings nicht unbedingt. Auf Arte kann man nachts - ein kurzes Comeback ausgenommen - zwar schon seit 1994 keinen als Schäfchen verkleideten Menschen beim Bockspringen mehr zusehen. Die Space Night des Bayerischen Fernsehens (nachts auf ARD alpha) haut aber noch immer jeden um. Vor allem die dritten Programme haben das Tranquilizer-Fernsehen zu fast jeder Tageszeit perfektioniert und dürften den Krankenkassen so Millionen Euro für Schlafmittel sparen. Dabei ist die Beruhigung gestresster Bürger noch nicht einmal als offizieller Auftrag im Rundfunkstaatsvertrag festgelegt.

Nicht, dass das private Nachtprogramm weniger langweilig wäre als das öffentlich-rechtliche. Zum friedlichen Eindösen ist es aber schlicht zu laut.