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Neuer Podcast:"Die Gesprächsqualität ist eine andere"

Fenrnsehmoderatorin Sandra Maischberger startet Podcast

Fernsehmoderatorin Sandra Maischberger vermisste ein wenig das intime Gefühl, das ein Gespräch im Radio bietet - und startet nun einen Podcast.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Auch Sandra Maischberger hat jetzt einen Podcast. Ein Gespräch darüber, warum das sein muss, die Nachteile des Fernsehstudios und warum Menschen mit Ecken und Kanten im Lebenslauf besonders gute Gäste sind.

Interview von Carolin Gasteiger

Sandra Maischberger macht jetzt einen Podcast. Von 18. September an läuft "Der Sandra Maischberger Podcast" wöchentlich auf Spotify, unter anderem mit Gästen wie Drogeriemarkt-Gründer Dirk Roßmann, SPD-Politikerin Manuela Schwesig und Gesundheitsminister Jens Spahn. Am Telefon erzählt die Moderatorin von ihrem neuen Audio-Talk, in dem sie, laut Ankündigung, mit "Gäst*innen" reden wird.

SZ: Frau Maischberger, Sie haben eine wöchentliche Talkshow, produzieren Dokumentarfilme und machen jetzt auch noch einen Podcast. Provokant gefragt: Muss das sein?

Sandra Maischberger: Provokant geantwortet: Ja, absolut. Ich habe ganz früh in meinem Berufsleben mit Begeisterung beim Radio gearbeitet. Und diese intime Gesprächssituation, wenn keine Fernsehkameras drum herumstehen, sondern allenfalls ein kleines Mikrofon - die habe ich ein bisschen vermisst.

Aber Sie können die interessanten Persönlichkeiten, mit denen Sie sprechen wollen, doch einfach in Ihre Talkshow einladen.

Das ist etwas völlig anderes. Allein schon, was die Auswahl der Gäste angeht. Bei unserem Podcast wird sie nicht politisch tagesaktuell sein müssen, auch wenn Jens Spahn schon zugesagt hat. Aber auch dieses Gespräch wird etwas anders sein, ohne ein strenges zeitliches Korsett und mit mehr Spielraum, auch Aspekte außerhalb der Tagesaktualität anzusprechen.

Ist das bei einem Zwiegespräch im Fernsehen nicht auch möglich?

An sich schon. Leider vergisst das Gegenüber jedoch keine Sekunde, dass es in einem Fernsehstudio sitzt. Das ist wie eine große öffentliche Bühne. Die Gesprächsqualität ist eine andere, wenn man sich alleine gegenübersitzt - ohne zu viel Technik. Das lockert vieles auf.

Die Gäste sollen nicht dieselben sein wie in Ihrer Talkshow. Mit wem wollen Sie dann sprechen?

Wir suchen Menschen, die eine gewisse Relevanz haben, weil sie etwas in ihrem Leben bewirken und auch in der Biografie ein paar Wendungen haben. Dirk Roßmann etwa, Chef der gleichnamigen Drogeriekette, der in der ersten Folge zu hören sein wird, hat als Unternehmer Spuren hinterlassen, aber er hat auch aus einem bewegten Leben zu berichten. Diese Ecken und Kanten im Lebenslauf sind für den Podcast wichtig.

Laut Ankündigung wollen Sie "die interessantesten Menschen aus Kultur, Wirtschaft und Politik" einladen. Zugesagt haben neben der Infektionsforscherin Marylyn Addo unter anderem auch Edmund Stoiber, Werner Herzog und Borussia-Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Das sind große Namen, die viele Hörer schon kennen dürften. Wären unbekanntere Gäste nicht spannender?

Dass die Gäste bekannt sind, ist für mich kein Ausschlusskriterium. Wenn ich bei all der medialen Vielfalt danach gehen würde, Leute zu entdecken, die vorher noch mit niemandem gesprochen haben, dann würde ich nicht glücklich werden. Hans-Joachim Watzke gibt zum Beispiel selten Interviews. Der Reiz liegt dann vielmehr darin, dass ich da sitze und unter Umständen andere Fragen stelle, als man erwarten könnte. Und wir haben auch nicht so prominente Gäste in der ersten Staffel, wie die Holocaust-Überlebende Ester Béjarano.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Podcast aus?

Das ist schwer zu sagen, weil es ja so viele unterschiedliche Formate gibt. Und etwa "Fest und Flauschig" eine ganz andere Linie fährt als zum Beispiel "Alles gesagt?" von der Zeit. Aber allen hilft bestimmt eine gewisse Ausgeruhtheit, was die zeitlichen Vorgaben angeht. Formate wie der Podcast mit Christian Drosten etwa haben ja gezeigt, dass es sich lohnt, Themen mit Ruhe und Zeit anzugehen und dass diese dann nochmal anders besprochen werden.

Das klingt, als würden Sie das im tagesaktuellen Geschäft vermissen - sich sowohl für die Vorbereitung als auch beim Aufzeichnen mehr Zeit lassen.

Ich habe früher häufiger lange Interviews zur Person geführt, dann länger nicht mehr, weil ich eben auch mit Leib und Seele Nachrichtenjunkie bin. Aber mich jetzt wieder häufiger komplett in eine Biografie vertiefen zu können, das finde ich schon sehr reizvoll. Es kommt noch etwas hinzu: Bei Podcasts wählen die Zuhörer ja gezielt aus, wen sie hören wollen. Und wenn sie sich bewusst für eine volle Stunde Watzke, Herzog oder Spahn entscheiden, bedeutet das für mich als Interviewerin eine ganz andere Voraussetzung - weil ich auf ein interessiertes Publikum treffe. Bei einer Fernsehsendung im linearen Programm geht es eher darum, die Menschen, die gerade zusehen, auch für Themen und Menschen zu begeistern, die sie vielleicht gar nicht interessant finden.

Dann wird Ihr Podcast also eine Art "Anti-Talkshow" für Sie?

Nein, und Sie kriegen mich nicht dazu, das zu sagen.

Vielleicht eine Art Ausgleich?

Eher eine Ergänzung. In meiner Fernsehsendung decken wir das politisch brisante aktuelle Geschehen ab. Im Podcast konzentrieren wir uns auf Biografien und spannen den Themenbogen etwas weiter, über den Tag hinaus.

Gibt es auch Gäste, die Sie auf keinen Fall einladen würden?

Ich bin nicht sehr gut darin, kategorisch Dinge auszuschließen. Ich habe mir früher schon nicht so sehr die Frage gestellt, wen ich befrage, sondern vielmehr, wie ich diese Person befrage. Das ist nach wie vor meine Leitschnur, auch wenn sie in Zeiten von Fake News, Populismus und Lügen, die einem ins Gesicht gesagt werden, schwer einzuhalten ist.

Also hätten auch Vertreter der AfD eine Chance bei Ihnen?

Ich würde schon gern mit Personen sprechen, die - hässliches Wort - dialogfähig sind und sich auf ein Gespräch und Fragestellungen einlassen. In dem Spektrum, das Sie ansprechen, gibt es leider viele, die daran überhaupt kein Interesse haben. Warum sollte ich mich dann erst einmal an denen abarbeiten?

Der Sandra Maischberger Podcast, bei Spotify.

© SZ/tyc/ebri

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