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Neuer Krimi:Schneckenrennen in Leipzig

Das ZDF hat am Samstag einen Krimi im Angebot: "Das Quartett". Zu sehen sind vier Ermittler, zu vermuten ist viel gute Absicht in der Drehbuchvorlage - leider ist im Ergebnis wenig Überzeugendes zu spüren.

Es ist ja nicht so, dass es im ZDF an Ermittlern mangelt. Kaum hat man das Zweite angeschaltet, laufen schon irgendwelche Soko-Kommissare durchs Bild, recherchiert ein starkes Team, der Wilsberg oder der Kriminalist oder sonst wer. Da keimt nicht dringend der Gedanke, dass es nun auch noch ein Quartett braucht, das in Leipzig Morde aufklärt. Aber dann kam wohl irgendwer auf die Idee, dass man für eine neue Reihe ein Ermittlerteam zusammenstellen könnte, in dem sich die einzelnen Akteure mal nicht bekriegen, sondern ihre sehr besonderen Fähigkeiten wertschätzen. "Machen wir", sagte man wohl in Mainz, weil man als Autoren Friedrich Ani und Ina Jung im Boot wusste und dann auch noch Vivian Naefe, eine Regisseurin aus der ersten Fernsehspielliga, verpflichten konnte. Leider hat das alles nichts genützt.

"Wir sind die allerletzte Hoffnung", sagt die von Anja Kling gespielte Chef-Kommissarin ungefähr in der Mitte des Films. Direkt davor hat sie ihrem Ermittlerteam schon unbedingte Akribie ins Aufgabenheft geschrieben: "Wir sind nun mal so was wie Chronisten. Uns darf nichts entgehen." Es sind solche Momente, in denen man überlaut das Papier der Drehbuchvorlage rascheln hört, in denen man spürt, was die Autoren alles wollten. Ganz offensichtlich wollten sie viel. Im fertigen Film ist wenig davon zu spüren.

Das liegt vor allem daran, dass dieser Möchtegernkrimi in jedem Schneckenrennen auf dem letzten Platz landen würde. Quälend langsam zieht sich die Suche nach dem Mörder eines Mannes hin, der gleich zu Beginn am Flussufer tot aufgefunden wird. Das mangelnde Tempo erklärt sich zum einen aus der Tatsache, dass sich die Autoren eine Vielzahl von Verdächtigen ausgedacht haben, dass sie zum anderen aber auch noch das neue Team einführen müssen. In dem arbeiten vier sehr besondere Gestalten, die alle als sehr begabt verkauft werden, die aber alle einen Spleen haben. Der eine spricht gut russisch, wirkt aber sehr verunsichert. Der andere kann nur Auto fahren, wenn er selbst am Steuer sitzt, ist aber ein im Digitalen höchst bewanderter Nerd. Die Dritte kommt nicht darüber hinweg, dass sie vor Jahren ihren Partner sehr plötzlich verlor und zieht deshalb überschnell ihre Waffe. Und die Chefin des Teams muss nach jedem Tatortbesuch erst einmal ins türkische Dampfbad, Seele reinigen und so. Das alles ist so verquast inszeniert, wie es sich auch liest. Dauernd wird Auto gefahren, viel wird geraucht, und immer wieder erklären die Ermittler einander, was sie schon wissen. Dazu kommen die Sätze aus dem Krimibaukasten. Dann sagt die Chefin: "Wir brauchen einen Durchsuchungsbeschluss."

Wenn schließlich noch Verdächtige Selbstgespräche führen müssen, wird es unerträglich. Dann schäumt das gequirlte Pathos derart auf, dass man sich tatsächlich in die übersichtlich schlichte Welt einer Soko-Folge zurückwünscht. Irgendwann hat die Chefin dann privaten Stress mit ihrem Ex, und der herrscht sie am Telefon an. "Jetzt mach bitte deinen tollen Job, und lass uns in Ruhe", raunzt er, und als Zuschauer möchte man ihn spontan umarmen, weil er so prima zusammengefasst hat, was man gerade denkt.

Das Quartett, Samstag, 20.15 Uhr, ZDF