Neuer BR-Intendant Merkel als Art Präsidentin vermarkten

Wie sehr kann da ein CSU-Mann, der für Spitzenkräfte wie Stoiber oder Merkel die PR-Strategien entwarf und verantwortete, nun Unabhängigkeit symbolisieren?

Bisher war es die Aufgabe Wilhelms, für ein gutes Image der Kanzlerin in der Bevölkerung zu sorgen - und dafür auch ARD und ZDF zu gewinnen, wenn nicht zu instrumentalisieren. Im Bundestagswahlkampf 2009 bedeutete dies, Angela Merkel als eine Art Präsidentin zu vermarkten, die den Pulverdampf der politischen Niederungen mied. Nur einem "TV-Duell" mit Herausforderer Frank-Walter Steinmeier stellte sie sich, was im Endeffekt wie Szenen aus einer harmonischen Ehe wirkte. Dem Streit mit den Spitzen der anderen Parteien aber entzog sich die Kanzlerin, eine vordemokratische Ausflucht.

In der Endphase des Landtagswahlkampfs in Thüringen und in Sachsen Ende August 2009 wiederum hätte Regierungsmann Wilhelm wohl gerne die Chefin in einem rasch ins MDR-Programm gehobenen Exklusiv-Interview gesehen. Das aber führte sogleich zu berechtigten Protesten des politischen Gegners und schließlich zur Absetzung der Sendung.

Auf wundersame Weise schafft es Wilhelm, sowohl den Interessen der Kanzlerin als auch den Wünschen der Journalisten nachzukommen. Er blieb der kompetente Kommunikationsexperte. Nett, ansprechbar. Das erklärt die relative Milde der Presse in der Bewertung seiner aktuellen Karriere. Ausnahmen können das Bild derzeit nicht stören: Auch wenn ihn die taz als "Merkels lächelndes Fallbeil" karikiert, was schon mal eine Art Fortschritt ist, da Willhems Ex-Chef Stroiber als "blondes Fallbeil" galt. Und das Handelsblatt sieht seine Wahl sogar als "neue Dimension der medialen Vetternwirtschaft".

Wilhelm wäre für das Amt nicht tauglich, wenn er die Sensibilität nicht erahnen würde. Schon im Sommer will er offenbar aus dem Sprecher-Amt in Berlin scheiden und eine gewisse Karenzzeit wahren. Und dann muss er halt funktionieren im neuen Amt. Dann muss er womöglich Journalisten des BR in Schutz nehmen, wenn sie aus Sicht Merkels und der Union Unbotmäßiges senden. Dann darf er kein Verständnis mehr haben für die Interessen, die er derzeit noch vertritt.

Ja, im Prinzip setzt der Wechsel vom Regierungssprecher zum Sender-Intendanten ein falsches Zeichen. Das Ding ist unmöglich. Es stärkt Vorbehalte gegen die Öffentlich-Rechtlichen, für die die Bürger monatlich mehr Geld zahlen müssen.

Aber Ulrich Wilhelm wird vermutlich am Ende beweisen, dass es doch ein richtiges Leben im falschen gibt. Und dass er, trotz allem, ein guter Intendant sein wird.