Neue TV-SerienDas sind die interessantesten Serien des Monats

"Sharp Objects" ist ein opulentes Südstaaten-Schauerstück. Eine Tankstellen-Sitcom trifft in der aktuellen Rassismus-Debatte nicht den richtigen Ton.

Von SZ-Autoren

Sharp Objects (Sky)

Reporterin Camille wird in ihre Heimat geschickt, um zum Mord an einem jungen Mädchen und dem Verschwinden eines weiteren Mädchens zu recherchieren. Wind Gap, Missouri, ist ein schwül-schwitziges Kaff, in dem die Erwachsenen unter sirrenden Ventilatoren an kalten Drinks nippen und zum Stadtgründungsfest die Flagge der Konföderierten schwenken, während die verbliebenen Teenie-Mädchen wie im Musikvideo auf Rollschuhen durch die leeren Straßen schweben. Für die Alkoholikerin Camille ist der Ausflug ein Trip in die eigene Vergangenheit: Auch sie fuhr einst auf Rollschuhen durch Wind Gap, auch sie verlor eine Schwester, als beide noch Teenager waren.

Die achtteilige Serie "Sharp Objects" beruht auf dem gleichnamigen Thriller von Gillian Flynn ("Gone Girl"), die auch an den Drehbüchern mitgeschrieben hat. Regisseur Jean-Marc Vallée ("Big Little Lies") und Showrunnerin Marti Noxon haben aus der Vorlage ein opulentes Südstaaten-Schauerstück geschaffen, das in Ausstattung und Inszenierung an "True Blood" erinnert; immer knapp dran am Zu-dick-aufgetragen-Sein, aber eben nie jenseits der Geschmacksgrenze.

Das Beste an der Serie sind aber die Schauspielerinnen: Amy Adams ist als Camille ein fahriges Häuflein Mensch, das wider Willen zurückfällt in alte Verhaltensmuster. Für die Zeit der Recherchen zieht sie in ihr früheres Zuhause ein, in eine Villa, die mehr Spuk- als Elternhaus ist. Das liegt vor allem an Patricia Clarkson, die als Camilles Mutter so gefühlskalt und ätzend sein darf, wie es im amerikanischen Fernsehen schon sehr lange nicht mehr zu sehen war. Und in Rückblenden wird Camille von Sophia Lillis gespielt, die im Remake von "Es" ihren ersten großen Auftritt hatte und zu den interessantesten Gesichtern ihrer Generation gehört.

Von Karoline Meta Beisel

Bild: Sky 1. August 2018, 05:102018-08-01 05:10:28 © SZ.de/khil/stein