bedeckt München
vgwortpixel

Neue TV-Serie "Patrick Melrose":Etwas Furchtbares, furchtbar unterhaltsam dargestellt

Patrick Melrose

Sherlocks Bruder im Geiste: Patrick Melrose (Benedict Cumberbatch).

(Foto: 2018 Showtime/Sky UK Ltd/Justin Downing)

Ein völlig kaputter Adliger von ausgesuchter britischer Höflichkeit? Kein Wunder, dass Benedict Cumberbatch lange von der Rolle des "Patrick Melrose" geträumt hat.

Sicher, jeder Sohn reagiert auf seine Art, wenn er vom Tod des Vaters erfährt. Die Reaktion von Patrick Melrose, Titelheld einer neuen Serie, ist aber doch ungewöhnlich: Ein breites Lächeln zeigt sich auf dem Gesicht von Benedict Cumberbatch, der diesen Melrose verkörpert. Natürlich hat das Lächeln auch damit zu tun, dass sich Melrose gerade Heroin gespritzt hat. Aber letztendlich ist für diese Sucht ja ebenfalls sein Vater verantwortlich, der "alte Bastard", der nun endlich tot ist.

Patrick Melrose basiert auf einer autobiografisch gefärbten Roman-Reihe des britischen Schriftstellers Edward St Aubyn. Melrose, Spross einer englischen Adelsfamilie, wird als Junge vom Vater missbraucht, verfällt später dem Heroin und kämpft Jahrzehnte darum, sich von den Dämonen seiner Kindheit zu befreien. Die Serie hat aus jedem der fünf Romane eine Folge gemacht, die Handlung reicht von den Sechzigern bis in die frühen Zweitausenderjahre und der deutsche Regisseur Edward Berger (Deutschland 83) hat jedem Teil eine ganz spezifische Atmosphäre gegeben.

Im ersten sieht man Melrose zu, wie er zugedröhnt durchs New York der frühen Achtziger torkelt und versucht, die Asche seines Vaters abzuholen. Einiges erinnert an die Sherlock-Figur, die Cumberbatch berühmt gemacht hat: Beide sind überheblich, brillant (wobei Melrose die gewitztesten Sprüche für seine Selbstgespräche aufhebt) und dabei fast immer von ausgesuchter britischer Höflichkeit.

Doch die Figur des Patrick Melrose transportiert eine ganz eigene Dringlichkeit. Kein Wunder, dass Benedict Cumberbatch lange von dieser Rolle träumte. So einen abgefuckten und verzweifelten Protagonisten spielt jeder Schauspieler gern. Virtuos zertrümmert der Hotelzimmer, trinkt mit zitternden Händen Martinis und stellt sich mehr oder weniger existenzielle Fragen - etwa, warum es Fenster gibt, wenn man nicht aus ihnen herausspringen darf.

Erträglich macht die Serie ihr sarkastischer Witz

Ganz anders, aber mindestens genauso gelungen, kommt die zweite Episode daher. Erzählt wird ein Tag im Leben des neunjährigen Melrose (wunderbar minimalistisch: Sebastian Maltz), den er mit seinen Eltern und Sommergästen auf einem französischen Landgut verbringt. Man wähnt sich in einem Tschechow-Stück, so sehr schreit hier alles Dekadenz - von den überreifen Feigen, die auf dem Gutshof verfaulen, bis zu den extravaganten gelben Slippern des Vaters. Der herrscht als Tyrann über seine Familie. Den Sohn misshandelt er, die Ehefrau flüchtet sich vor seinen Demütigungen ins Tabletten-Nirwana. Niemand hat die Kraft, diese Grausamkeit zu stoppen, über dem Anwesen liegt erdrückendes Schweigen.

Es fällt schwer, das alles mit anzusehen. Erträglich macht die Serie allein ihr sarkastischer Witz, der schon die Romane St Aubyns durchzog. Ob das nun ein selbstironischer Kommentar von Melroses Mutter ist oder eine Szene, in der ihr erwachsener Sohn in die falsche Beerdigungsparty platzt: Patrick Melrose gelingt das Kunststück, etwas Furchtbares furchtbar unterhaltsam darzustellen.

Patrick Melrose, dienstags, 20.15 Uhr bei Sky 1.

TV-Serien Comedy mit revolutionärer Kraft

"Will & Grace" ist zurück

Comedy mit revolutionärer Kraft

Mit "Will & Grace" hatte eine Sitcom zum ersten Mal eine schwule Hauptfigur. Ausgerechnet der US-Präsident beschert der Show nun ein Revival - immer noch witzig, aber viel politischer.   Von Patrick Heidmann