Neue "Star Trek"-Fernsehserie:Die Klingonen werden nicht zu flauschiger Friedfertigkeit bekehrt

Lesezeit: 3 min

Utopien zu entwickeln, heißt, der Welt noch eine Chance zu geben. Sich für sie zu interessieren und darüber nachzudenken, wie man sie besser machen könnte. Star Trek hat das immer getan. Nicht nur mit Technik, sondern in seinen besten Momenten immer auch durch Begegnungen mit dem Fremden, das das Eigene herausfordert, in Frage stellt oder auch seinen Wert unterstreicht. Auf ihren Forschungsreisen trafen die Crews Völker, die keine Geschlechter kennen. Für die Kampf und Ehre die höchsten Werte sind. Oder solche, die bereitwillig mit 60 in den Tod gehen, um den Jüngeren keine Last zu sein.

Das Interessante daran: Keine dieser Begegnungen endete mit einer Revolution, mit der Bekehrung der Klingonen zu flauschiger Friedfertigkeit oder der Vulkanier zu ein bisschen mehr Gefühl. Sogar der sechzigjährige Kaelonier fügt sich am Ende aus Überzeugung der Tradition seines Planeten und stirbt. Worum es Star Trek immer auch ging, waren Respekt und Freiheit von Vorurteilen. Die "oberste Direktive" der Sternenflotte verbietet jeden Eingriff in die Entwicklung anderer Spezies.

Der erste Kuss zwischen einer weißen und einer schwarzen Person im US-TV

Entstanden während des Kalten Kriegs und in einer Hochzeit des Rassismus in den USA war die Serie immer ein Hinweis darauf, dass es auch anders geht: Der Russe Pavel Chekov rettete die Enterprise und Kirk küsste die schwarze Lieutenant Uhura - es war der erste Kuss zwischen einer weißen und einer schwarzen Person im amerikanischen Fernsehen. Noch viel deutlicher als George Lucas' "Star Wars" - und auch stärker als J. J. Abram's "Star Trek"-Blockbuster der jüngsten Zeit - zeigte die Fernsehserie Star Trek, dass Science-Fiction nicht gleichzusetzen ist mit unpolitischem Eskapismus.

Es gibt heute mehr als genug Konflikte, die es lohnen würde, auf optimistisch-utopische Weise durchzudenken. Was auch immer der Plot der neuen Serie sein wird, ob Prequel oder Sequel: Auf die Sensibilität für Konflikte und ihre Lösungen, auf den politischen Puls von Star Trek, sollte sie auf keinen Fall verzichten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB