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Neue Staffel "Game of Thrones":Sexistisch? Gewaltverherrlichend? Ganz im Gegenteil!

Game of Thrones

Okay, Gewalt gegen Zombies und andere Unwesen sieht "Game of Thrones" tatsächlich nicht besonders kritisch.

(Foto: AP)

Die gängigen Vorwürfe an die Fantasy-Serie findet unser Autor unhaltbar. Eine Anleitung zum "Game of Thrones"-Gutfinden.

Die beste Serie aller Zeiten? Ist "Game of Thrones" ganz bestimmt nicht. Sie ist nicht einmal die beste zur Zeit - in dieser Rangliste dürfte "House of Cards" weiter oben stehen, oder die famos gestarteten "American Gods". Noch genauer: "Game of Thrones" ist manchmal nicht einmal richtig gut. Kurz: Die Serie ist weit schlechter als ihr Ruf.

Und gleichzeitig viel besser, je nachdem, wie der Ruf-du-jour gerade lautet.

Denn ziemlich oft, wenn der Ruf gerade mal wieder ein schlechter ist, lautet er: "Sexistisch und gewaltverherrlichend". Dabei könnte man die Serie kaum in ein falscheres Licht rücken. Um den Vorwurf von Sexismus und Gewaltverherrlichung aufrecht erhalten zu können, darf man "Game of Thrones" nämlich auf keinen Fall bis zum (bisherigen) Ende gesehen haben. Oder höchstens im Dreiviertelschlaf und mit der ständigen Begleitlektüre der grenzdadaistischen "Das sind die tollsten Tode"- und "Das sind die brutalsten Brüste"-Klickstrecken. Der Vorwurf funktioniert nur, wenn man die vermeintlich beweiskräftigen Szenen und Episoden aus dem Kontext der ganzen Serie reißt.

Cersei Lannister, Daenerys Targaryen und Sansa Stark haben sich alle auf sehr unterschiedliche Weise emanzipiert

Ja, Frauen haben es in dieser mittelalterlichen Welt nicht leicht. Deshalb geht es ja auch über bislang sechs, bald sieben Staffeln hinweg darum, wie sie sich über diese Missstände erheben. Wie sie die Männer allmählich von der Herrscher- in die Beraterrolle verdrängen. Da gibt es die Missbrauchs- und/oder Vergewaltigungsopfer Cersei Lannister, Daenerys Targaryen und Sansa Stark, die sich alle auf sehr unterschiedliche Weise emanzipiert haben und zu Macht gelangt sind. Arya Stark hat eine Zeit lang ihr Geschlecht verleugnet, ehe sie unter dem Kampfnamen "ein Mädchen" begann, sich an den Feinden der Familie zu rächen. Und dann war da noch der virile junge König Robb Stark, der einfach nicht auf den Rat seiner weisen Mutter Catelyn hören wollte und so die berüchtigte Rote Hochzeit ausgelöst hat.

Der Vorwurf der Gewaltverherrlichung ist etwas schwieriger zu entkräften. Immerhin spielt Gewalt in der Serie eine große Rolle und wird immer wieder entsprechend in Szene gesetzt. Für die Könige und die, die es unbedingt werden wollen, ist Gewalt das bevorzugte Instrument der Konfliktlösung - ob durch Kriege, Folter oder Mord. Aber auch dieses Urteil greift zu kurz: Das zweite große Thema der Serie neben dem Aufstieg der Frauen ist ja gerade, dass Westeros, die Welt von "Game of Thrones", an ihrem ständigen Kriegszustand kaputtzugehen droht.

Deshalb wirbt Hauptfigur Jon Snow seit mehreren Staffeln beharrlich für friedliche Lösungen und Einigkeit selbst unter den am schlimmsten verfeindeten Parteien, um das Überleben der Zivilisation zu sichern. Ein Standpunkt, den die Serie ihren Zuschauern auch ausnahmslos als den einzig richtigen zeigt. Dazu kommt, dass fast auf jedes Mal, wenn Jon Snows Flehen mal wieder ignoriert wird, zur Strafe eine noch größere Katastrophe folgt.

Viel schlimmer als diese Angriffe gegen die Serie sind die damit implizit verbundenen Angriffe auf ihr Publikum. Denn wenn Sex, Gewalt und andere Tabubrüche das beherrschende Merkmal von "Game of Thrones" sind, dann müssen all diese Transgressionen auch der Grund für die Begeisterung des mord- und ganz generell lüsternen Publikums sein. Oder?