Neue Serie:Mordsserie

In der US-Serie "How to get away with murder" spielt Viola Davis eine skrupellose Anwältin und Jura-Professorin. Und zwar so gut, dass sie völlig zu Recht für einen Emmy als beste Hauptdarstellerin in einer Serie nominiert ist.

Von Johanna Bruckner

Rechtsanwältin und Jura-Professorin Annalise Keating erklärt ihren Studenten gleich zu Beginn des Semesters: "Sie sind im Kurs 'Einführung in das Strafrecht' - oder wie ich ihn lieber nenne: 'Wie man mit einem Mord davonkommt'." Dass eine Handvoll Studenten dieses Wissen noch brauchen wird, machen die ersten Szenen der Serie How to get away with murder deutlich, die jetzt beim Privatsender Vox anläuft. Da wird eine Leiche weggeschafft, während auf dem Uni-Campus eine Feier stattfindet. Praktischerweise brennen auf dem ganzen Gelände Freudenfeuer - man ahnt also, was mit dem Toten im Teppich passieren wird. Spannender ist dann auch, wie es überhaupt soweit kommen konnte: In Rückblenden erzählen die Serienexperten Peter Nowalk (Drehbuch) und Shonda Rhimes (Produzentin) - verantwortlich unter anderem für die Erfolgsserie Grey's Anatomy - den Plot.

Es geht um den gnadenlosen Konkurrenzkampf unter Nachwuchsjuristen, den Mentorin Keating noch befeuert, indem sie ihren Studenten im Umgang mit dem Kursprimus rät: "Sie alle sollten es sich zu Ihrer Mission machen, ihn zu vernichten." Es geht um Beziehungen - und wie diese durch Macht und Geheimnisse geformt werden. So will Idealist Wes (Alfred Enoch) seine Dozentin eigentlich mit seiner Leistung beeindrucken, überrascht diese dann aber in ihrem Büro beim Oralverkehr mit einem Mann, der nicht ihr eigener ist. Prompt wird Wes in den Kreis ihrer Favoriten gewählt.

Vor allem die Figur der Annalise Keating macht die Serie sehenswert. So gnadenlos ehrgeizig, skrupellos und gleichzeitig verletzlich war bislang kaum eine Serienanwältin. Viola Davis spielt sie als Mischung aus mehreren starken schwarzen Frauen: Sie ist energisch und stilsicher wie Michelle Obama, kann arrogant gucken wie Naomi Campbell und ist manchmal mütterlich wie Oprah Winfrey. Und wenn sie dann vor dem Spiegel steht, die Tränen laufen ihr übers Gesicht, dann ist da noch jemand, den nicht einmal Annalise Keating selbst zu kennen scheint. Für so viel Ambivalenz ist Viola Davis zurecht für einen Emmy als beste Hauptdarstellerin einer Dramaserie nominiert.

Ganz anders die männliche Hauptfigur: Student Wes scheint völlig überfordert von der Durchtriebenheit um ihn herum. Doch wie erklärt die Dozentin ihren Studenten? "Die Unauffälligsten sind meistens die Gefährlichsten."

How to get away with murder, Vox, mittwochs in Doppelfolgen, 20.15 Uhr.

© SZ vom 02.09.2015
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