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Neue Netflix-Serie "Stranger Things":Hommage an die Popkultur der 80er-Jahre

Was die Duffers bei all ihren sorgsam rekonstruierten, nicht immer klischeefreien Achtzigerjahre-Zitaten im Sinn haben, ist vielmehr das Genre selbst und damit eine Hommage an die Popkultur jener Zeit. "Wir wollten eine Geschichte erzählen wie jene, mit denen wir aufgewachsen sind", gaben die Zwillinge bei einem Pressetermin während der Dreharbeiten in Atlanta im März zu Protokoll. "Geschichten mit Monstern, ausgefeilten Figuren, handgemachten Effekten und einer gewissen Unschuld. So wie es uns damals Steven Spielberg oder John Carpenter vorgemacht haben."

Die Sorgfalt, mit der nun "Stranger Things" die Erinnerung an jene Jahre heraufbeschwört, ist atmosphärisch bemerkenswert stimmig. Teils wird großen Vorbildern ganz direkt die Referenz erwiesen, etwa mit Verweisen an das Rollenspiel "Dungeons & Dragons", die Romane von Stephen King, einem Poster von Carpenters "The Thing" oder mit einem "Star Wars"-Raumschiff im Kinderzimmerregal.

Die Detailverliebtheit reicht bis zur Schriftart und Synthie-Musik im Vorspann oder einzelnen, genretypischen Aufnahmen und Kameraeinstellungen. "Die unheimliche Begegnung der dritten Art" und "Poltergeist" lassen dabei ebenso grüßen wie "Stand By Me" oder J.J. Abrams inzwischen auch schon fünf Jahre alte Spielberg-Huldigung "Super 8".

Sogar die Besetzung verweist auf die Achtzigerjahre, in denen nicht nur Winona Ryder (hier in ihrer größten Rolle seit dem zum Karriere-Knick führenden Kaufhaus-Diebstahl), sondern auch dem hier als besessenen Wissenschaftler besetzten Matthew Modine der Durchbruch gelang.

Eine Geschichte für alle Generationen

Es liegt auch an diesem Übermaß an Zitaten, dass sich "Stranger Things" bisweilen zwischen alle Stühle setzt. Für echte Grusel-Fans ist die Serie zu zahm, für Zuschauer im Alter der jungen Protagonisten wiederum zu unheimlich, auch wenn die Duffers betonen: "Mit 12 Jahren will man bekanntlich erst recht all die Sachen sehen, für die man eigentlich knapp zu jung ist." Und für alle, die die Achtziger nicht wenigstens auf VHS-Kassetten und Mix-Tapes mitbekommen haben, geht es womöglich einfach zu nostalgisch zu.

Doch gerade aus diesem angenehm altmodischen Ansatz, eine Geschichte für alle Generationen erzählen zu wollen, ziehen die (übrigens selbst erst 1984 geborenen) Brüder mit ihrem Händchen für junge Schauspieler, gut gesetzte Überraschungsmomente und nicht zuletzt liebevolle Ausstattung einen bemerkenswert hohen Unterhaltungsgewinn.