Neue Netflix-Serie "Stranger Things" Wie gemacht für Winona Ryder

Metaphysische Fähigkeiten: Winona Ryder in "Stranger Things".

(Foto: Netflix)

Die Netflix-Serie "Stranger Things" schwelgt in den Achtzigerjahren und nimmt sich John Carpenter und Stephen King zum Vorbild. Winona Ryder passt da gut hinein.

TV-Kritik von Patrick Heidmann

Der Einblendung einer Jahreszahl gleich zu Beginn hätte es eigentlich nicht bedurft. In "Stranger Things", der neuesten Serie des Streaming Dienstes Netflix, wimmelt es von der ersten Szene an nur so von epochespezifischen Indizien, die darauf hindeuten, wann die acht Episoden umfassende Geschichte spielt: Mütter tragen ihre Haare zumeist wohlgefönt, ihre Kinder fahren BMX-Räder und im Fernsehen läuft "He-Man and the Masters of the Universe", während im Radio "Should I Stay Or Should I Go?" von The Clash gespielt wird.

Anfang der Achtziger Jahre also - 1983, um genau zu sein - verschwindet in der fiktiven Kleinstadt Hawkins im Bundesstaat Indiana der 12-jährige Will (Noah Schnapp) spurlos.

Daraus allerdings, dass es sich hier gerade nicht um eine gewöhnliche Entführungs- oder gar Kindsmord-Serie à la "The Family" oder "Broadchurch" handelt, macht "Stranger Things" ebenfalls von Anfang an keinen Hehl. Denn am Rande des Städtchens betreibt die Regierung ein streng geheimes Forschungslabor, in dem es nicht nur zu Furcht erregenden Experimenten, sondern auch zu einem Ausbruch kommt, den es zu vertuschen gilt.

Der sonst eher unterbeschäftigte Sheriff (David Harbour) ist der erste, der einen Zusammenhang zwischen Wills Verschwinden und den dortigen Machenschaften erkennt. Doch auch die drei besten Freunde des Jungen machen bei der eigenmächtigen Suche nach ihrem Klassenkameraden ungewöhnliche Entdeckungen, während seine verzweifelte und ohnehin latent überforderte Mutter Joyce (Winona Ryder, meist mit Zigarette im Mund) meint, mittels Lichtquellen metaphysischen Kontakt zu ihrem Sohn aufnehmen zu können.

Im Kern geht es um das Übersinnliche

Nebenbei wird auch noch eine weitere Nebenhandlung in Form eines jugendlichen Liebesdreiecks rund um Wills Teenager-Bruders und die hübsche Schwester eines seiner Freunde etabliert, doch letztlich ist die übersinnliche Mystery-Ebene das entscheidende Element dieser Serie, die von den Brüdern Matt und Ross Duffer kreiert und unter anderem von "Nachts im Museum"-Macher Shawn Levy produziert wurde.

Anders als in Serien wie "The Americans", "Halt and Catch Fire" oder natürlich "Mad Men", die allesamt ebenfalls in der jüngeren amerikanischen Vergangenheit spielen, geht es in "Stranger Things" nicht oder zumindest kaum darum, etwas über die Zeit selbst zu erzählen, in der die Handlung angesiedelt ist.