Neue Journalistenschule:Eine für alle

Das Rechercheportal Correctiv gründet eine Online- Akademie gegen Fake News: Die "Reporterfabrik" soll mit Workshops für Bürger- und Profijournalisten dazu beitragen, "die Glaubwürdigkeit der veröffentlichten Meinung zu stärken."

Von David Denk und Katharina Riehl

Deutschland bekommt eine neue Journalistenschule - aber keine weitere elitäre Institution wie die Henri-Nannen-Schule oder die Deutsche Journalistenschule, sondern eine für alle. "Wir wollen mit der Reporterfabrik eine Web-Akademie schaffen, die dazu beiträgt, die Glaubwürdigkeit der veröffentlichten Meinung zu stärken", heißt es in einer Präsentation des Betreibers, des gemeinnützigen Rechercheportals Correctiv. "Unser Ziel: die redaktionelle Gesellschaft."

Aus einem Vorläuferprojekt weiß Correctiv-Geschäftsführer David Schraven, "wie groß der Hunger normaler Bürger auf verlässliche Informationen ist". Daraus folge für ihn die Aufgabe, transparent zu machen, wie Journalisten Informationen beschaffen, aufbereiten und verbreiten und dies für die Teilnehmer nutzbar zu machen. "Viele haben eine Vermutung, aber kein Wissen", sagt Schraven. "Wir wollen Wissen vermitteln und so in Zeiten von Fake News zu einer funktionierenden Öffentlichkeit beitragen." Die Reporterfabrik möchte ermuntern, das erworbene Wissen in Blogs und kleine (lokale) Medien zu stecken. Ob man so aber auch die erreichen kann, die das Wissen am dringendsten bräuchten? "Den Troll werden sie damit nicht kriegen", räumt Mitgründer Cordt Schnibben ein.

Starten sollen die modular gestalteten (Online-)Workshops, sobald genügend Sponsoren für die Anschubfinanzierung in ungenannter Höhe gefunden sind. "Wir reden nicht von Monaten, sondern von Wochen", sagt Schraven. Die Reporterfabrik hofft auf die Landesmedienanstalten, auf Stiftungen und Unternehmen. Auch eine Kooperation mit den Volkshochschulen ist erwünscht. Schritt für Schritt soll die Reporterfabrik zu einer Weiterbildungseinrichtung auch für Profijournalisten ausgebaut werden. Die allerdings müssen anders als die Bürgerjournalisten für die Kurse zahlen, tragen also gleich doppelt zur freien Meinungsbildung bei.

© SZ vom 16.01.2017
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